Auf ein Kind des Ballungsraums Nordrhein-Westfalen wirkt der 1. FC Nürnberg seltsam indifferent– irgendwie ist er weder Fisch noch Fleisch. Das fängt schon bei dem Landstrich an, in dem die Stadt Nürnberg liegt. Franken sind eben in aller erster Linie eine Schweizer Währung.
Der „Club“ sammelt immer dann Sympathiepunkte, wenn er in den schönen Radioreportagen von Günter Koch unter den Begriff „die Clubberer“ subsumiert wird. Aber sobald man dann im Fernsehen den Präsidenten Michael A. Roth sieht, den zwar eine ganz andere aber ebenso unsympathische Aura wie zum Beispiel Guido Westerwelle umgibt, lösen sich diese Punkte wieder in Luft auf.
Momentan steht der 1. FC Nürnberg in einem Mittelpunkt, der irgendwie gar nicht zu ihm passt. Grund dafür ist das veränderte Verhalten der Trainerzunft, das unlängst auch schon Bayer Leverkusen zu spüren kam. Immer öfter lehnen arbeitswillige Übungsleiter die Arbeitsangebote von Vereinen ab.
Der „Club“ wird seines Zeichens vielleicht als der Verein die Geschichte eingehen, bei dem anscheinend nicht einmal Lothar Matthäus anheuern will. Der schreckliche Präsident hat danach direkt den zweitschrecklichsten Trainer nach „Loddar“ kontaktiert: Peter Neururer. Auch der wollte nicht, und er hat diese Nachricht dem Sportdirektor des FCN über dessen Mailbox mitgeteilt. Eine SMS hätte es natürlich auch getan, aber Martin Bader ist nicht Ralph Siegel und Peter Neururer hat mit Naddel nur ein paar Buchstaben im Namen gemein. Auch wenn es möglicherweise noch mehr Ähnlichkeiten zwischen all diesen Personen gibt, von denen aber ein normaler Mensch nichts wissen wollen kann.
Jedenfalls hält Präsident Michael A. Roth offenbar nach Gleichgesinnten Ausschau. Nach der aktuellen Absage von Jürgen Röber könnten das nun Erich Ribbeck oder Uli Stielike sein. Oder aber irgendjemand im Umkreis des Frankenlandes merkt, dass das Problem des „Clubs“ nicht die Trainersuche sondern der Trainersuchende sein muss. Den Nürnberger Fans wünscht man das, obwohl man ihren Verein nicht richtig einschätzen kann.

