Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:54:05

Tiefpunkt X

Die footage-Ligakolumne - 10. Spieltag

Früher war auch der 1. FC Köln eine launische Diva. Damals wurden mehrere großartige Leistungen in kurzfristigen Abständen abgelöst durch einige Durchwachsene und Katastrophale. Das Gesamtresultat konnte sich am Ende trotzdem sehen lassen. Aber irgendwann hat die Vereinsführung beschlossen, für mehr Kontinuität zu sorgen, und mittlerweile ist dieses Vorhaben auch in die Tat umgesetzt worden.

Mit schöner Regelmäßigkeit marschiert der FC nach einem Abstieg durch die zweite Liga, um im Folgejahr in der Bundesliga, ein paar gute Ansätze zu zeigen und dann mehr oder weniger sang- und klanglos unter zu gehen. Ganz nebenbei knackt der FC dann während des Absteigens noch so viele Rekorde, wie einst der legendäre Stabhochspringer Sergej Bubka. Doch während es für den ukrainischen Überflieger immer höher hinaus ging, erreicht der 1. FC Köln einen Tiefpunkt nach dem anderen. An diesem Wochenende hat er Tiefpunkt X erreicht, auch wenn die Tabelle der Welt noch etwas anderes erzählen will.
Als Fan fühlt man sich nun wieder wie ein Boxer, der von einem hoffnungslos überlegenen Gegner ordentlich verprügelt worden ist. Flehentlich hat man zum Ring- bzw. Schiedsrichter geschaut, dass er den Kampf beenden möge. Vergeblich.
Das Management des FC sucht in diesen Momenten indessen entweder Hilfe in einem Trainerwechsel oder es redet von einer Ruhe, die man bewahren will.

Eine Ruhe, die im Übrigen auch vor der Saison eine nicht unwichtige Rolle spielt. Während man als Fan fordert, dass der ein oder andere Klassespieler oder gar Christoph Daum verpflichtet wird, kauft Andreas „Der-Kader-ist-genug“ Rettig ein oder zwei junge Talente und ein bisschen Massenware, die wenig Anlass zu Hoffnungen gibt aber viele gesundheitliche Probleme mit sich bringt.

Gleichmäßig wird diese Einkaufspolitik mit den ewig gleichen Argumenten verteidigt. Der FC wird kein unnötiges Risiko eingehen, er wird nicht bis an die Schmerzgrenze gehen. Ein paar Wochen später haben dann auch die Spieler diese Einstellung absorbiert. Sie riskieren höchstens ein paar misslungene Rückpässe, und der Schmerzgrenze gehen sie in jedem Zweikampf aus dem Weg.
Und genauso wie die Mannschaft dabei ein ums andere verliert., so erleidet auch die sportliche Leitung des 1. FC Köln mit ihrer mutlosen Risikominimierung wieder und wieder Schiffbruch. Vielleicht weiß sie nicht, dass man sich für falsche Kontinuität nichts kaufen kann. Wolfgang Overath müsste es eigentlich wissen. Er müsste sich an die Zeit erinnern können, als mein 1. FC Köln noch eine launische Diva war.

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Autor: Arne Jens

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