Mobilität ist mittlerweile nicht mehr nur ein Thema für die Forderungen aus Führungsetagen sondern auch ein Stück Realität für den ganz normalen Arbeitnehmer. Doch ob gestandener Job-Nomade oder ängstlicher Angestellter, wenn es in Diskussionen um den möglichen und nötigen beruflichen Neuanfang geht, fällt immer wieder der Name Hamburg.
Als theoretischer Lebensmittelpunkt kann die Hansestadt Sympathiepunkte aufweisen, von denen selbst ideale Schwiegersöhne wie Kai Pflaume oder Christian Wulff nur träumen können. Hamburg versprüht eben nicht nur jede Menge Regen sondern auch eine ordentliche Portion Charme. Das mag am Stadtbild und an den Möglichkeiten liegen, am Aspekt Fußball lag es bisher nur bedingt.
Denn der Respekt, den fast jeder Fan dem FC St. Pauli entgegen bringt, litt doch immer mehr darunter, dass er - ob er wollte oder nicht - in Richtung Regionalliga gezollt werden musste. Und der Hamburger SV zehrte zwar manchmal noch davon, dass einstmals einer der größten Trainer überhaupt die Mannschaft zu beachtlichen Erfolgen führte. Doch die Erinnerungen an Ernst Happel konnten nicht darüber hinweg täuschen, dass der HSV in den letzten Jahren eigentlich nur noch mit dem Pfund wuchern konnte, das älteste und einzig abstieglose Mitglied der Bundesliga zu sein. Dieser Hinweis der HSV-Anhänger wirkte jedoch immer öfter hilflos, so als wolle der Bewohner einer trostlosen Reihenhaussiedlung stolz für sich beanspruchen: „Ich war der erste, der sich hier niedergelassen hat.“
Doch in den letzten Tagen und Wochen hat sich das Reihenhaus rausgeputzt. Spieler wie Rafael van der Vaart und Timothée Atouba veranstalten nicht nur mit ihren klangvollen Namen ein sympathisches Spektakel und Trainer Thomas Doll sorgt mit seiner erfrischend natürlichen Art für die nötige Bodenhaftung. Seit langer Zeit, muss die Antwort auf die Frage, wem man denn realistisch betrachtet den Meistertitel am ehesten gönnen würde, nicht mehr unbedingt "Werder Bremen" sein.

