Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:59:43

Zeit des Erwachens

Die footage-Ligakolumne - 7. Spieltag

Bereits am vergangenen Dienstag passierte etwas hinter den Kulissen des Borussia-Parks, dass für viele Menschen unglaublich bleiben wird. Nachdem man lange versucht hat Emotionen zu kanalisieren, das Mannschaftsgefüge sensibel zu managen und kontrolliert zu motivieren, entschied sich Dr. Horst Köppel in einem letzten Ausbruch puren Überlebenswillens, endlich die Sedativa abzusetzen. Nach dem daraus logisch folgenden 2:1 Sieg über Werder Bremen folgte am Samstag sogleich der erste Auswärtssieg nach eineinhalb Jahren.

Auf der Bielefelder Alm wurde dabei zwar nicht direkt ein Feuerwerk abgebrannt, aber das Team zeigte sich deutlich verbessert. Solider irgendwie und voller Selbstbewusstsein. Plötzlich spielte man Fußball, ließ den Ball laufen und strahlte eine lange verborgene Ruhe aus. Nach dem Peer Kluge den Führungstreffer erzielt hatte, war streckenweise so etwas wie echte Überlegenheit sichtbar. In Halbzeit Zwei gelang schließlich etwas, dass – die Älteren werden sich erinnern - das Gladbacher Spiel einst berühmt machte. Ein Tor durch einen Konter.

Da der Fan gemeinhin eine Mini-Serie von zwei Siegen in Folge zwar genießt, sie aber nicht einfach wie ein unverhofftes Gottesgeschenk hinnimmt, sucht er nach einer Erklärung. Manchmal findet er sie, manchmal auch nicht. Für den letzteren Fall möchte ich nun eine Erklärung anbieten, weise aber vorsorglich darauf hin, dass man mit meiner Theorie in den einschlägigen Foren der Borussia-Fans auf wenig Verständnis treffen wird. Dennoch meine ich jedes Wort ernst:

Der Garant für den Teamerfolg heißt: Kahê. Ja genau richtig. Der bullige Chancentod von Ponte Preta. Zwar wäre man ihm nicht böse, würde er bald mal treffen - an den Chancen dazu hat es nicht gemangelt. Andererseits hat sich das Spiel seit Kahê verändert. Nach dem Weggang von Martin Dahlin gab es in Gladbach keinen Stürmer, der in der Lage war, den Ball vorne zu halten, oder gar zu verteilen. Manchmal hat man zwar den Eindruck, Kahê hielte den Ball nur aus diesem Grund, eben weil er es kann. Aber die Abstimmung wird zusehends besser, und man wird noch viel Freude mit ihm haben. Dahlin vergessen machen wird Kahê allerdings nicht. Zu sehr vermissen werde ich Dahlin O-Töne wie diesen, höchstpersönlich im Spielertunnel aufgeschnappten: „Ey Schiri, jetzt zeig’ mir die Regel, in der steht, dass ich dem Wagner nicht an die Eier packen darf!“

Autor: Axel Post

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