Ich weiß noch, wie mir das Wort Heimat vor vielen Jahren immer im Hals stecken geblieben ist. Es erinnerte mich an Zeiten, die ich zum Glück nicht selbst erlebt hatte. Es roch nach Muff und stark nach Spießigkeit - obwohl man das heute dank Udo Jürgens eigentlich nicht mehr sagen kann.
Doch über die Jahre hat es sich die Heimat in meinem Wortschatz gemütlich gemacht. Heute weiß ich es zu schätzen, dass ich in bestimmten Bereichen mein Zuhause gefunden habe und das auch beim Namen nennen kann.
Im Fußball ist der 1. FC Köln die feste Größe geworden, von der ich einfach nicht lassen kann. Und der verstärkt mein Heimatgefühl immr ganz besonders dann, wenn er gegen Vereine gewinnt, gegen die er in der Regel früher wie ein fleißiges Lieschen Niederlagen eingesammelt hat.
Doch auch kulturelle Konturen und politische Dimensionen bilden inzwischen einen festen Rahmen, den ich Heimat nennen kann. Ich werde wohl die Hintergründe einer Werbekampagne für eine bestimmte Bausparkasse vielleicht originell aber niemals gut finden können. Und schon gar nicht werde ich Parteien wählen können, die heimlich hoffen, dass aus der Aussage hinter dieser Reklame eine flächendeckende Wirklichkeit wird.
Alle meine heimeligen Gefühle betreffen nicht das große Drumherum. Dieses Land will einfach kein übergreifendes Wohlgefühl in mir herstellen, weil es sich von meinen alten Heimat-Assoziationen nicht richtig lösen will. Weil es ängstlich agiert und sich nicht entscheiden kann. Mit der Bundestagswahl hat das Land entgegen allen Erwartungen zwar nicht verloren aber doch nur 0-0 gespielt.

