Was waren das früher noch für Zeiten. Die Fußballwelt sauber eingeteilt in ein 17-Vereine-großes Gut und ein Böse, das nur aus zwei Wörtern bestand: Bayern München. Doch dieses Bild ist schon vor Jahren ins Wanken geraten und es wankt immer mehr, so dass es manchmal fast schon hinfällig wird.
Momentan spielen die Bayern in der Liga den einzigen Fußball, den man sich aus der Genießerperspektive angucken kann, Manchmal schnalzt man mit der Zunge und fragt sich was aus der guten alten Münchener Ergebnisverwaltung geworden ist. Alles vorbei, die Bayern brauchen keinen Elfmeter mehr in letzter Sekunde, ihr sprichwörtlicher Dusel ist irgendwie im weißblauen Himmel verdunstet. Ihr Anti-Fußballstadion haben sie in eine beeindruckende Arena verwandelt, bei der Trikotauswahl zeigen sie einen ungewohnt sicheren Geschmack. Der Kader besteht aus vielen sympathischen Spielern, Figuren wie Michael Rummenigge, Lothar Matthäus oder Thomas Strunz sind zwar nicht ganz aber doch aus dem Umkreis des deutschen Rekordmeisters verschwunden. Wenn man nicht noch ein wenig Neid in sich spüren würde und wenn Uli Hoeneß nicht manchmal über Hartz IV räsonieren würde, könnte man den Bayern fast nichts mehr vorwerfen. Ach doch. Danke Bayern! Ihr seid Schuld daran, dass sich unsere Abneigung nun auf kleinere Provinzclubs konzentrieren muss.
Indessen versucht die Bundesliga sich gegen die Übermacht der Bayern mit einem neuen Freizeitvertreib zu stemmen: „Brasilianer verpflichten“ lautet ganz offensichtlich das Gebot der Stunde. Ob man nun deswegen wieder die ewige Litanei von dem unerschöpflichen Reservoir talentierter Fußballspieler anstimmen muss oder ob es hier nicht eher um eine Art blindes und relativ unbegründetes Vertrauen geht, steht noch nicht fest. Jedenfalls dürfen sich nach diesem Wochenende Rafinha (Schalke 04) Kahe (Borussia Mönchengladbach) und Alex (VfL Wolfsburg). in der Bundesliga zuhause fühlen. Und Anderson Costa steht bei Hertha BSC praktisch schon in der Wohnungstür. Glückwunsch an die Vereine, aber mal ganz ehrlich, den Branchenprimus Bayern München interessieren eure verzweifelten Versuche, ein Bein auf die Erde zu bekommen, einfach nicht.

