Heiners Frau ist hochschwanger. Trotzdem darf Heiner Freunde zum Fußballgucken einladen. Sie legt sich dann halt so lange ins Schlafzimmer. Meine Freundin ist total unschwanger, trotzdem verdonnert sie mich an diesem Wochenende, die Bude zu streichen. Das ist eben überfällig. Das sehe ich ein. Bei Heiner sitzen die Jungs herum und gucken Premiere auf einem 42-Zoll-Plasmafernseher, den Heiners Vater aus der Konkursmasse eines Kunden abgestaubt hat.
Als ich wenigstens die Zusammenfassungen sehen will, stelle ich fest, dass ich den Antenneneingang derart mit Farbe zugekleistert habe, dass ich nicht mal den WDR empfangen kann. So läuft es bei mir schon seit einer Woche. Vorgestern bekam ich, noch auf dem EDEKA-Parkplatz ein 20-Euro-Ticket weil ich, die Parkmarke zwischen den Zähnen, noch nicht komplett angeschnallt war. Dabei fahre ich immer angeschnallt. Heiner zieht übrigens generell keine Parktickets.
Total angeschnallt kommt mir übrigens auch das Gekicke meines Teams vor. Viel Potential, schöne Ansätze, null Erfolg. So geht das schon seit mehreren Jahren. Wie sehr wir uns ähneln. Mein Team und ich.
Nach zwei Spieltagen sind in dieser Saison übrigens schon 65 Tore gefallen. Das ist gigantisch. Zwei Stürmer haben bereits 4 Tore auf ihrem Konto. Einer sogar fünf. Das ist Rekord. Mein Team hat insgesamt eins gemacht. Durch einen Abwehrspieler.
Ein anderer Abwehrspieler, Uwe Möhrle vom MSV Duisburg, hat am Samstag zweimal getroffen. Nicht dass das irgendjemanden interessieren würde. Außer Heiner natürlich, denn der hat ihn in seinem Kicker-Manager-Team.
An diesem Montagmorgen beschließe ich mein Leben zu ändern. Ich will lockerer werden, attraktiver und erfolgreicher. Nicht mehr anschnallen, Probleme lösen, keine Parktickets. Keine T-Shirts mehr bügeln, einfach mal länger ausschlafen. Ich werde den Erfolg durch Coolness erzwingen. Dann kommt der Auswärtssieg am Samstag automatisch und er wird wie ein gigantischer Befreiungsschlag sein. Für mein Team, für mich, für mein Leben, für die Nation.
Angesichts des drohenden Weltjugendtages könnte ich aber auch bereits morgen auf offener Straße von Kampfchristen vermöbelt werden. Mal sehen, wie es läuft.


