Ich habe nicht den leisesten Schimmer, was der 19. Meistertitel für einen Fan des FC Bayern München bedeutet. Seit dem der dritte Aufstieg des 1. FC Köln in trockenen Tüchern ist, weiß ich aber, was der Volksmund meint, wenn er davon spricht, dass ihm ein Stein vom Herzen fällt.
Nachdem der Stein am Boden war, kam die Freude. Für einen kurzen Moment besaß der Titel „Nie mehr Zweite Liga“ wieder eine schöne Melodie und für einen Augenblick konnte sogar das DSF ungeahnte Sympathiepunkte sammeln. Es geht tatsächlich runter wie Öl, wenn im TV von einer Sondersendung mit dem Titel „1. FC Köln Spezial“ die Rede ist. Und wer dann die Autokorsos und Gesänge auf den Kölner Ringen gesehen hat, fragt sich wie sehr die Zuneigung zu diesem Verein noch wachsen kann, obwohl er doch in seinen Liebeserwiderungen oft so merkwürdig zurückhaltend wirkt.
Heute meldet sich neben dem Herzen auch der Hinterkopf. Vieles am 1. FC Köln wird und muss sich in der Bundesliga verändern. Und es droht eine Veränderung, die mir wirklich Bauchschmerzen macht - Alexander Voigt wird den Verein wahrscheinlich verlassen. Voigt, der von den Sportreportern in Deutschland mit der Präzision eines Uhrwerks als „echter kölscher Junge“ oder „der Junge aus Köln-Ehrenfeld“ bezeichnet wird, steht neben Matthias Scherz, Carsten Cullmann und Christian Springer rein ligamäßig betrachtet genau für den FC, der für die Zweite zu gut und zu schlecht für die Erste ist. Doch genau wie Ehrenfeld für die schöne Seite der Stadt Köln steht, verkörpert Voigt vieles von dem, was den FC so liebenswert macht - Karnevalslieder, das Leben als launische Diva, fehlende Perfektion und pathetische Heimatgefühle.
Ehrliche Arbeiter werden Spieler wie Voigt auch gern genannt, und es gab irgendwann mal einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger, der Voigt als Grundübel des Kölner Spiels gebrandmarkt hat, weil ihm der Ball manchmal verspringt und seine Flanken in einer gewissen Anzahl von Fällen hinter dem Tor landen. Doch eines Tages wird genau diese Zeitung ihr Fähnchen wie so oft wieder nach dem Wind hängen und den Verantwortlichen vorwerfen, dass man es versäumt hat, Spieler aus der Region, die sich mit dem Verein identifizieren, zu halten. Dann werde ich die Adresse von Alexander Voigt heraussuchen und ihm diesen Zeitungsausschnitt schicken. Wahrscheinlich und leider wohl nach Birmingham.
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