Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:36:27

Ein Herz und eine Seele

Die footage-Ligakolumne - 29. Spieltag

Noch fünf Spieltage, und das footage-Magazin wäre nicht das footage-Magazin, wenn es nicht jetzt schon anfangen würde, Bilanzen zu ziehen, die andere Medienorgane erst nach dem letzten Spieltag in mühevoller Kleinarbeit zusammenstellen.

Aber nun sind footager nicht nur flink sondern auch mehr oder minder große Fans von Listen. Große Lieder, große Filme landen schnell - obwohl vielleicht nur temporär - in den persönlichen Top 5. Gute Trainer kommen manchmal auch dahin.

Doch während nach dieser Saison die ergebnisorientierte Mehrheit Ralf Rangnick, Felix Magath, Uwe Rapolder, oder den zugegebenermaßen großartigen Jürgen Klopp zu den besten Übungsleitern küren wird, stehen meine zwei Favoriten etwas abseits von imponierenden Siegesserien und innovativen, taktischen Ideen. Vielleicht weil sie einfach nur anders sind – in ihrer Art. Sie arbeiten beim Hamburger SV und bei Borussia Dortmund. Sie sitzen bei Vereinen fest in einem Sattel, der eigentlich aussieht wie ein Schleudersitz.

Thomas Doll hat für mich in all den letzten Wochen vor allen Dingen eins versprüht - verdammt viel Spaß an seinem Job. Seine Freude zeigt sich nicht nur bei den gelungenen Sprungeinlagen an der Seitenlinie, sondern vor allem auch in dem Leuchten seiner Augen, wenn er von seiner Mannschaft spricht. Doll, der aussieht wie ein mutiger Kämpfer gegen die Kosmetikindustrie, verfasst keine brillanten Analysen und keine Theorien über Fußball und Konzept, aber kaum einer seiner Kollegen – scheint mir - ist so sehr mit dem Herzen dabei. Und dieses Herz hat den HSV in ungeahnte Höhen der Tabelle katapultiert.

Wenn es bei Doll das Herz ist, ist es bei Bert van Marwijk die Seele, die an jedem Fußballspiel beteiligt ist. Noch nie habe ich einen Trainer gesehen, der beim Blick auf die sportlichen Darbietungen so gottverdammt traurig aussieht. Schwer zu sagen, ob er dabei wirklich leidet an den Fehlpässen und den anderen Übeln dieser Welt. Vielleicht ist es auch nur eine melancholische Art der Coolness, die ihn über das normale Gebaren eines Trainers in andere Sphären transportiert.
Auch nach dem Spiel lächelt er, wenn überhaupt, nur leicht. Aber alles was van Marwijk tut, geschieht mit Würde. Der „Holland-Berti“ hat wahrscheinlich kein Verständnis dafür, dass man ihn so nennt, aber er weiß genau, was er kann. Und wer eine Mannschaft langsam nach oben führt, die sich lange nicht nur mit dem Ball sondern auch mit den obskuren Bilanzen ihres Managements beschäftigen musste, kann viel.

Sei es drum, vielleicht ist es auch einfach nicht zu erklären und mich verbindet mit den beiden Trainern einfach nur ein grundsympathisches Gefühl.

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Autor: Arne Jens

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