Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:47:34

Importierte Diktatoren

Die footage-Ligakolumne - 26. Spieltag

Ich arbeitete einmal sehr kurz für eine Firma, deren Chef, ein halbprominenter österreichischer Nachrichtenmogul, der Einzige war, der quasi per Dekret autorisiert war, seine Macht in Form extrovertiert maskuliner Aura nach Außen zu tragen. Das tat er mit Vorliebe im Übertragenen, und womöglich auch im buchstäblichen Sinn. Der Chef versteckte seine phasenweise haarsträubende Inkompetenz hinter einer brüchigen Maske aus Wiener Pseudo-Charme und dominanter Gutsherren-Mentalität.

Die Dominanz des Chefs führte zwangsläufig dazu, dass sämtliche Mitarbeiter der mittleren Kader stromlinienförmige Lurche mit in der Szene berüchtigten uniformen Corporate-Frisuren waren. Ich kündigte am Ende des zweiten Tages.

Jeder der schon mal ein Arbeitsverhältnis gekündigt hat, weiß, wie befreiend und euphorisierend das sein kann. Leider gibt es aber auch Verhältnisse, die nicht so leicht kündbar sind wie ein Job. Ich spreche von den Leidenschaftlichen.

Als beim Club meiner Leidenschaft kürzlich ein Mann anheuerte - auch er stammt aus einem direkten Nachbarland -, dessen Name übersetzt so viel wie „Schwanzanwalt“ bedeutet, schwante mir bereits Böses.

Ähnlich wie der Ex-Chef schwingt auch der Anwalt ein phallisches Zepter zur Untermauerung seines eisernen Regiments. Zunächst gruppiert der Anwalt zahlreiche Assessoren um sich, die ihm schon bei vergangenen Engagements, mit Verlaub, die Stange hielten, um kurz danach mit gezielten Kastrationen Teile des Teams zu züchtigen. Zuletzt erwog der Anwalt gar die Verbannung unseres größten Juwels, eines – zugegeben – langhaarigen Querdenkers.

Dass im Sport – ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich über Fußball spreche - Testosterone durchaus eine Rolle spielen können beweist unser Lieblingstorwart aus München in Wort und Tat. Natürlich brauchen wir Eier. Wer mir aber erzählen will, dass diktatorische Autorität dem Mannschaftserfolg zuträglich ist und besagte Eier einzig auf der Trainerbank gut aufgehoben sind, der irrt und sollte über ein Vorstellungsgespräch bei meiner Ex-Firma nachdenken.

Obwohl: Ex-Kollegen berichten von netterem internen Klima und ersten frisuralen Extravaganzen in den eigenen Reihen, seit man den ominösen Österreicher in Rente geschickt habe. Es kehre ein wenig Spaß zurück und auch die Zahlen würden nach langer Krise langsam besser.

Würde man also den Anwalt altersbedingt dem verdienten Ruhestand zuführen und ihm den Lebensabend mit ein paar Zinnsoldaten versüßen, so könnten im Team langsam erste Frühlingsgefühle die unterdrückten Regionen durchzucken und die zarten Pflanzen der Lust am ewig erquicklichen Spiel kehrten womöglich zurück.

Autor: Axel Post

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