Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:37:28

1:0 - und noon?

Die footage-Ligakolumne - 25. Spieltag

Der Begriff „High Noon“ hat es nicht leicht. Immer wenn bedeutende Ereignisse um 12 Uhr mittags anstehen oder entscheidende Duelle ihre Schatten vorauswerfen, wird „High Noon“ aus dem Hut gezaubert – wie ein Kaninchen, das schon seit Jahren mit dem gleichen Zauberer durch die Lande zieht.

Doch die Gerüchte, dass Bundesligaspiele demnächst angepfiffen werden sollen, wenn die Sonne am höchsten steht, können wir getrost beiseite schieben. Es kann hier nur um den Showdown gehen, der am Sonntag in der Arena auf Schalke stattgefunden hat.

Viel ist geschrieben worden vor der Begegnung zwischen dem Zweiten und dem Ersten der Bundesliga, und das Gerede vom „High Noon“ wurde natürlich über alle Maßen strapaziert. Dabei sollten nicht nur Cineasten wissen, dass es in dem Westernklassiker, dem wir die Begrifflichkeit vom „hohen Mittag“ zu verdanken haben, nicht nur um eine Entscheidung und eine Uhrzeit sondern vor allem auch um den Kampf des guten Sheriffs Bill Kane gegen die böse Bande um Frank Miller geht.

In Gelsenkirchen gab es eine solch klare Rollenverteilung nicht. Schalke 04 und der FC Bayern München haben nicht nur tabellarisch eine gemeinsame Augenhöhe erreicht. Für beide Clubs ist die Bundesliga eine Shopping-Meile, auf der Geld nur eine Nebenrolle spielt. Für Schalke wie Bayern steht während der 90 Minuten die Kontrolle mehr im Mittelpunkt als die Kreativität.
Beide Clubs werden von einem Manager geführt, mit denen man vor allen Dingen eine ganze Menge nicht machen möchte: Denn wer möchte schon mit Uli Hoeness und Rudi Assauer eine Transaktion bei Ebay abschließen, im Sommer ein Eis essen oder ihnen eine gute Freundin als persönliche Assistentin anvertrauen? Und bei beiden Clubs stehen mit Frank Rost und Oliver Kahn Männer Tor, mit denen man eine ganze Menge gerne machen würde: Sie tunneln, ihnen Papierkugeln ins Haar schießen oder sie mal in eine richtig abgewrackte Kneipe schleppen, um zu sehen, was dann dort passiert.

Die Ähnlichkeiten zwischen den zwei Vereinen sind noch nicht frappierend aber zweifellos vorhanden, aber irgendwo tief in meinem Inneren habe ich dennoch ein wenig gejubelt, als die Schalker das Spiel am Sonntag gewonnen haben. Vielleicht weil die Erinnerung an den „Meister der Herzen“ und das dramatische Finale im Jahr 2001 frischer ist als gedacht. Oder vielleicht, weil mich jetzt schon Langeweile überkommt, wenn der FC Bayern zum x-ten Mal auf dem Marienplatz einen Sieg bejubeln darf, während eine Maß nach der anderen die Runde macht. Vielleicht ist es aber auch nur Gewohnheit, dass man den Münchnern einfach nicht so viele Siege gönnen mag. Aber mit Gewohnheiten kann man brechen - irgendwann.

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Autor: Arne Jens

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