Unter der Dusche, zu Beginn der REM-Phase und oft auf längeren Autofahrten entstehen in vielen Fanköpfen traumhafte Bilder von Sonck-Neuville-Elber-Kombinationen, von Eleganz, Leichtigkeit und Dominanz.
Dass im Stadion oft andere Bilder entstehen liegt daran, dass die Brillianz naturgemäß nicht die beste Freundin des Fußballfans ist, sondern eher eine unzuverlässige Geliebte, die nur hin und wieder mal vorbeischaut.
Das Heimspiel am Samstag erzählte uns fast neunzig Minuten lang vom Mittelmaß, bevor es mit einem dramaturgischen Kunstgriff der Geschichte eine eindrucksvolle Wende nahm. Der Neuville-Sonck-Sturm hatte viel versucht und wenig erreicht, als das Publikum Vaclav Sverkos forderte. Der Tscheche ist Publikumsliebling, weil er im Triumph und im Scheitern bedingungslose Hingabe nach außen trägt, so als wäre er seit 1953 Vereinsmitglied. Sverkos macht es dem Fan leicht, ihn zu lieben. Er ist der Mann, der nach Niederlagen in die Kurve geht und sich stellt. Er ist der Mann, der sich von teuren Stürmerzukäufen nicht beirren lässt, und den Kampf um den Stammplatz aufnimmt. Sverkos verkörpert ein Stück der Leidenschaft, die man sonst eher auf den Rängen als auf dem Platz findet. Es gibt nichts, was Sverkos ferner ist als Mittelmaß.
Während sich also das Klischee-Team im Team-Bus zum dreißigsten mal mit Rocky 4 motiviert, scheint sich Vaclav eher für die feinen Martial-Arts-Sequenzen eines Ang Lee zu interessieren, denn in Minute 87 liegt er schräg in der kühlen Luft des Borussia-Parks und führt eine Figur ein, für die Sportreporter neue Worte kreieren müssen. Mit dem Außenrist schiebt Sverkos den Ball ins das Tor, dessen Position er in seinem Rücken erahnt.
Du bist indiskutabel, du bist katastrophal, du bist großartig. Nur mittelmäßig bist du nie, Borussia. Du bist ein Riese, Sverk!
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Borussia Mönchengladbach
www.borussia.de


