Als Lars Ricken am Samstag Nachmittag um kurz nach fünf unwiderstehlich von der linken Seite nach innen zog und aus knapp 18 Metern die Pille in die rechte untere Ecke setzte, bebte das leidgeplagte Westfalenstadion. Das 3:0 bedeutete die Entscheidung im Spiel gegen Mainz. Kaum einer der 75.000 dachte allerdings in diesem Moment daran, dass der Torschütze vor acht Jahren einmal als das größte Talent Europas gehandelt wurde und von der sogenannten Fachwelt dazu auserkoren war, die Nachfolge der ganz Großen deutschen Fußball-Granden von Beckenbauer bis Seeler anzutreten.
1997 sorgte er – nachdem er den BVB zum kontinentalen Triumph geschossen hatte – mit einem Nike-Werbespot für Aufsehen im damals wie heute arg antiquierten deutschen Fußball. „Ich sehe Vereine, die teure Profis kaufen, ohne den Nachwuchs zu fördern. Ich sehe Typen in Nadelstreifen und ich sehe Geschäftemacherei ohne Ende.“ Im Fußball solle man sich auf das Wesentliche konzentrieren, so die medienträchtige Aussage damals.
Als Lars Ricken in den Jahren danach auf dem Platz schwächer und schwächer wurde, hauten ihm seine Kritiker den Spot um die Ohren. Mit der Zeit wurde es still um ihn und der einstige Hoffnungsträger wurde zum spröden Mitläufer. Als er im Herbst des vergangenen Jahres sogar dann auf der Bank saß, als Borussia Dortmund mit fünf Amateuren auflief, schimpfte man ihn einen Wohlstandsjüngling, weil er nicht die neue Herausforderung in der schottischen Liga suchte.
Lars Ricken schwieg damals und blieb in Dortmund. Jetzt, gerade in der Zeit, in der er wieder trifft, ist sein Satz von damals aktueller denn je. Der BVB und seine Fans sind schon längst die Beute von Typen in Nadelstreifen geworden, die ihr Geschäft gemacht und sich dann verpisst haben. Neben Ricken spielen teure und abgezockte Profis, die sich einen Dreck um den Verein und dessen Anhänger kümmern und auf der Bank sogar dann noch was zu lachen haben, wenn ihr Team nach einer halben Stunde vier Stück bekommen hat.
Lars Ricken ist immer noch in Dortmund, als einer der ganz wenigen Spieler überhaupt, die sagen können, dass sie für ihren Verein spielen, schon immer. Und manchmal – ja manchmal, da kümmert er sich um das Wesentliche – zieht von links in die Mitte und hämmert den Ball in die Maschen. Das Westfalenstadion bebt dann.


