Heute vor dreißig Jahren. Die Älteren Leser dürften sich erinnern. An einem frühen Samstagnachmittag berichten die Medien von der Festnahme eines jungen Mannes, der zuvor einige Fußballspiele manipuliert haben soll. Robert Hoyzer sein Name. Zunächst schien alles einer klaren Logik zu folgen. Hoyzer bestätigt Kontakte zu einer bereits inhaftierten kroatischen Wett-Bande, die von den Medien bereitwillig den Adelstitel „Mafia“ erhält.
Etwas später, am gleichen Tag im Dortmunder Westfalenstadion springt ein Mann aufgeregt im Dreieck, der sich notorische benachteiligt fühlt. Peter Neururer und sein VfL Bochum waren scheinbar erneut Opfer krasser Fehlentscheidungen geworden. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Wenigsten, was wirklich abläuft. Robert Hoyzer befindet sich bereits auf dem Studiogelände in Potsdam-Babelsberg – das ZDF hat hier Teile der JVA Berlin-Moabit nachgebaut. In einer überzeugend emotionalen Ansprache entschuldigt Hoyzer sich aufrichtig bei Neururer und gibt scheinbar schweren Herzens zu, größere Summen von BVB-Aktionär Homm erhalten zu haben. Als der Bochumer Trainer daraufhin, noch in den Katakomben des Westfalenstadions auf Homm losgeht, schlägt das „SEK-Eintänzer“ zu, inhaftiert Neururer und sorgt für seine Abschiebung ins Ausland.
„Wir konnten nicht zulassen“, so DFB-Chef Theo Zwanziger, „dass Neururer durch seine permanente Absonderung textlichen Sondermülls einen nachhaltigen Imageschaden verursacht, und somit einen Schatten auf die kommende WM wirft. Wir sind uns im Klaren, dass wir zeitweilig auch die Medien und die Fans täuschen mussten, aber dieses Problem rechtfertigt die drastische Vorgehensweise. Mit Robert Hoyzer haben wir unseren besten Mann ins Rennen geschickt, der absolut loyal und diszipliniert gearbeitet hat.“
Wenig später wird bekannt, dass Hoyzer über ungarische Vorfahren verfügt. Ein Jahr danach pfeift er das WM-Finale in seiner Heimatstadt Berlin. Deutschland schlägt Griechenland samt Trainer Neurukles 4:2 n.V. und wird Weltmeister im eigenen Land.


