Bundesligaspieler, die nicht im Kader unserer Lieblingsmannschaft oder unseres Managerspielkaders stehen, existieren in unserem Fußballexpertengehirn häufig nur als Name – ohne wirkliches Gesicht.
Das kann sich natürlich an jedem Spieltag ändern. Eine Aussage, eine Aktion und schon hat man sich als Spieler aus der vermeintlichen Anonymität gelöst und einen neuen Bekanntheitsgrad erlangt.
Genau das ist am Wochenende dem Rostocker Spieler Marcus Lantz geglückt. Bisher haben wir ihn nur als einen von x Schweden auf der Hansa-Kogge registriert, versehen mit einem Nachnamen, der so gut zu seiner Heimat passt wie ein Palmenstrand mit Wassertemperaturen um die 25 Grad.
Im Spiel gegen Bayern München hat Marcus Lantz den Ausdruck „wie von der Tarantel gestochen“ in eine neue Dimension katapultiert. Noch nie zuvor hat ein Spieler so vehement die gelbe oder rote Karte für einen Gegenspieler gefordert. Lantz fuchtelte mit der Hand und tanzte, als stünde er unter Drogen. Er hat (an seinem Geburtstag!) eine Unsitte zelebriert und in meinem persönlichen Fußballlexikon musste er nun neu definiert werden: Schwede mit komischem Namen, unsympathisch.
So ungefähr das Gegenteil steht da, wenn man in meinem Nachschlagewerk den Namen Mehmet Scholl aufschlägt. Der Münchner hat den wahrscheinlich besten Musikgeschmack in der ganzen Fußball-Bundesliga. Er verfügt über eine Intelligenz, die sich nicht nur während der 90 Minuten zeigt, und er hatte schon immer viel zu viel Verletzungspech.
Am 9. Spieltag hat er sich wieder gezeigt. Nicht nur mit einer tollen Leistung sondern auch mit einem hippieähnlichen Haar- und Bartwuchs, den sich wahrscheinlich kein anderer Spieler zu tragen traut. Sein Tor war auf jeden Fall der schönste Augenblick des Bundesliga-Wochenendes und einer, in dem man sich ganz problemlos für Bayern München freut.
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