Man freut sich gern, wenn die Kleinen mit den Großen mithalten können. Im Ruhrgebiet ist es der VfL Bochum, der am ehesten noch das Label „sympathischer Arbeiterclub“ tragen darf. Bochum hat ein nettes kleines Stadion, ein sympathisches Team, dass sich mit günstigen aber spielstarken Skandinaviern verstärkt, und einen schrulligen Manager der lustige Dinge sagt wie: „Wir haben unser Team prima verstärkt und uns sehr karibisch vorbereitet“ Außerdem spielt der VfL seit mehr als einem Jahr wunderbaren Fußball. Man muss die Bochumer lieben. Vielleicht würde ich das auch tun, wäre da nicht noch der Trainer.
Traditionell werden die Worte Trainerentlassung und Neururer annähernd synonymisch verwendet. Im Scheitern fühlt sich Neururer zuhause. Es waren immer die Schwachen, die kleinen Clubs, die ihn engagierten, wenn gar nichts mehr ging. Mit Neururer ging dann meistens nicht mehr als vorher. Also entließ man ihn wieder. So lief es auf Schalke, in Berlin, in Köln und Saarbrücken. Ernst genommen, hat ihn nie jemand. Da die größten Fehler bekanntlich in Zeiten des Erfolgs gemacht werden, beginnt Neururer folgerichtig jetzt, sich zumindest selbst ernst zu nehmen. Und genau das macht ihn unerträglich. Neururer hat begonnen, sich selbst zu inszenieren. Manchmal tanzt er wie ein Eintänzer in der Fischbratküche durchs Ruhrstadion. Später schwadroniert er über die fehlende Moral bei der Entlassung seines Kollegen Lienen in Mönchengladbach. Neururer glaubt, endgültig mit den ganz großen Hunden kacken zu dürfen.
Am vergangenen Donnerstag musste der VfL den UEFA-Cup bereits nach der ersten Runde verlassen. Gestern folgte die Niederlage in Gelsenkirchen. Bochum rangiert auf Platz 14 der Ligatabelle. Ein Stück Normalität kehrt zurück ins Ruhrstadion. Für das Team kann es einem schon Leid tun. Dem Trainer könnte es ein wenig der verlorenen Bodenhaftung zurückgeben.
Peter Neururer möchte nach dem Ende seiner Trainerkarriere die Füße hochlegen. Dann wird er endlich Urlaub machen können. Vielleicht sogar karibisch. Auf einem Kreuzfahrtsschiff wird er dann im offenen Hawaiihemd an der Bordbar stehen und von seinen großen Zeiten als Fußballtrainer erzählen. Glauben wird ihm keiner.


