Jedes Jahr das gleiche Schauspiel. Profis auf Kinderlandverschickung. Die Topographie des Fußballs wird bereichert um einige ausgefallene Namen. Teningen, Hoffenheim, Aindling und Schönberg heißen die Schauplätze der ersten Pokalrunde der Saison. Das alte David gegen Goliath-Spielchen wird jährlich aufs Neue genährt von der Hoffnung auf sensationelles Scheitern der Arrivierten. Es ist ein bisschen wie anarchistisches Bauerntheater.
Gemeinsam sitzen wir vor den Fernsehgeräten und warten auf die fünf Minuten Ruhm für die, die so seltsame Namen wie Rudi Thömmes, Ingo Vandreike und Thomas Schwechheimer tragen, und die im entscheidenden Moment ihren Fuß dorthin halten wo der Ball ist. Wir wollen Underdogs siegen sehen.
Sympathie für den Außenseiter liegt also in unserer Natur. Logisch finde ich das nicht. Unsere Gesellschaft leistet sich horrend teuren Profifußball, und ergötzt sich im nächsten Atemzug an seinem Niedergang. Einerseits leidet das Land unter massiver Arbeitslosigkeit, andererseits gönnen wir denen, die einen Job haben, kein bisschen Erfolg. Es ist wohl die gleiche Mentalität, die uns im Saturn Brotbackmaschinen kaufen lässt, die uns die totale Autarkie vom professionellen Bäckereigewerbe versprechen. Ätsch.
An diesem Wochenende haben uns nur wenige Profis die Freude gemacht, auf ganzer Linie zu versagen. Lediglich der HSV und Borussia Mönchengladbach schieden überraschend aus dem Wettbewerb. Ansonsten hatten meist die Jungs mit den komischen Namen das Nachsehen. Im mecklenburgischen Schönberg mussten sich die Grümmers und van Oirschots vom 1. FC Kaiserslautern gleich 15fach demütigen lassen.
Anders in Athen. Am gleichen morgen erruderte sich die favorisierte Kathrin Rutschow-Stomporowski erwartungsgemäß die Goldmedaille im Einer. Mit einem Namen, der klingt wie sexuelles Totalversagen.



