Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:38:48

Auf ein Maximum reduziert

Die footage- Ligakolumne- 1. Spieltag

Endlich sind die Wochen der Dürre vorbei. Keine EURO, nicht einmal die Tour de France können einen adäquaten Ersatz liefern für die einzige Liga die zählt. Grandioser hätte sie im Übrigen nicht anfangen können, etwas früher jedoch. Als ich am Freitagabend, zugegeben selbst verspätet, gegen zehn das Gerät einschaltete, befand ich mich unverhofft im Herbst des Jahres 1982, als mich das wohlige Gefühl einer Europapokal-Übertragung aus Kiew beschlich. Der Kommentar klang so, als liefe er über ein Telefon mit Wählscheibe und eine einzige Kamera war im Einsatz, die das Spiel aus der einzig akzeptablen Perspektive, aus der Totale präsentierte. Nach all den Jahren hatte ich vergessen, wie schön Fußball im Fernsehen sein könnte, wenn man ihn nicht permanent durch dämliche Super-Close-Ups zerschundener Frontgesichter unterbricht, oder Super-Zeitlupen ballgetroffener Vittel-Flaschen zelebriert.

Bis zum Erbrechen werden uns Zuschauern ungefragt so genannte Emotionen medial eingeprügelt. „Sport funktioniert so“, werden mir die Programmverantwortlichen entgegenhalten. Bei mir funktioniert Sport viel besser wenn er so ist, wie er am Freitag in der ARD war. Ein bisschen langsam, ein bisschen Old School. Endlich durfte man als TV-Zuschauer das Spiel mal wieder lesen, statt gezwungenermaßen die Entwicklung Milan Fukals blutender Kopfwunde zu verfolgen, während ungesehen vom Fernsehbild Jan Schlaudraff bereits den öffnenden Pass gespielt hat.

Schade, dass ein Stromausfall nötig war, um der ARD zu zeigen, was sie früher konnte: Fußballspiele übertragen.

Übrigens: Am Ende der zitierten Spielzeit 1982/1983 reckte ein Mann einen großen Pokal in den Athener Nachthimmel. Wer weiß, wie dieser Mann hieß? Richtig: Felix Magath. Am Ende der aktuellen Saison wird es vermutlich der gleiche Mann sein, der diesmal eine Schale in den Nachmittagshimmel eines deutschen Stadions reckt. Damals war das ein emotionaler Moment für mich. Im kommenden Mai wird das spurlos an mir vorbeigehen, obwohl ich die Erweiterung von Magaths Pupillen und das Schimmern einer einsamen Träne im Augenwinkel überlebensgroß auf einem 16:9 Plasma-Screen verfolgen könnte. Aber ich glaube, ich gehe lieber ins Stadion und sehe nichts von alledem.

Autor: Axel Post

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