Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 02:50:56

Wer braucht schon ein K?

Kaiserslautern aus Kölner Sicht

Es hat nicht gut angefangen mit dem 1. FC Kaiserslautern und mir. Denn als Kind haderte ich mit dem Namen des Vereins, weil ich ihn nicht abkürzen konnte, ohne in einen Konflikt mit meinem heiß geliebten 1. FC Köln zu geraten. Was sollte ich machen, wenn ich die fiktiven Paarungen meiner Fantasie-Meisterschaften in DIN A 4 Hefte schrieb? FCK-FCK notieren? Die Namen ausschreiben? Da hätte ich bei der Länge von Kai-sers-lau-tern viel zu viel Zeit für die Niederschrift einer kompletten Saison gebraucht. Ich fand schließlich eine diplomatische und großzügige Lösung, „Köln“ schrieb ich aus und der 1. FC Kaiserslautern bekam von mir gnädig das Kürzel „FCK“ verliehen. Und heute? Heute bin ich stolz wie Bolle, denn wir FC-Fans haben dieses alte Problem mittlerweile elegant gelöst. Wir haben uns ganz auf die zwei wichtigsten Buchstaben in unserem Namen konzentriert. Wir sind der FC – wer braucht da schon ein K?

Mit dem 1. FC Kaiserslautern bekam ich indes auch in meiner Jugend Probleme. Diesmal nicht wegen des Namens sondern wegen der Atmosphäre auf dem Betzenberg, die gelinde gesagt manchmal ziemlich geladen war. Da konnte man schon mal Angst bekommen und das tat dann der eine oder andere Schiedsrichter auch. In den 80er Jahren war ich nicht der einzige Fan, der das Gefühl hatte, dass für zwei Bundesliga-Mannschaften ganz besonders oft ein unberechtigter Elfmeter gepfiffen wird, gerne auch in der Nachspielzeit. Für den FC Bayern immer und für den 1. FC Kaiserlautern zuhause auf dem Betzenberg. Ehrlicherweise muss man aber zugeben, dass nicht nur das Pfälzer Publikum, sondern auch die Kampf- und Heimstärke des FCK ziemlich Furcht einflößend war. Nach einem Auswärtsspiel in Kaiserslautern hatte man jedenfalls meistens einen ziemlichen Hals – und 0 Punkte auf dem Konto.

Doch die Zeiten änderten sich. Nach der Sensationsmeisterschaft als Aufsteiger mit Otto Rehhagel begann der langsame Abstieg der roten Teufel. Man bewegte sich zielsicher auf die zweite Liga zu und verfiel mit schöner Regelmäßigkeit in ein großes Jammern, in der immer von der Bedeutung des Vereins für die ganze Region die Rede war. Das nervte genauso wie die ewigen Wortspiele, die sich rund um die roten Teufel rankten. Unermüdlich war auf den Tribünen des Betzenbergs der Teufel los und gefühlte 10000mal steckte dieser Teufel auch im Detail, wenn es auf dem Spielfeld für die Lauterer mal nicht so lief.

Die Wortspiele gibt es auch heute noch, aber immerhin ist eine gute Portion Zuversicht in die Pfalz zurückgekehrt. Der 1. FC Kaiserslautern spielt wieder in der Bundesliga, und – man mag es kaum glauben – ich freue mich auf ihn. Weil viele Erinnerungen wach werden, und weil Erinnerungen schon viel wert sind, wenn man sechs Spiele pro Saison gegen Kunstprodukte wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim bestreiten muss. Der 1. FC Kaiserslautern ist eben immerhin ein echter Verein, in dem noch richtig viel Geschichte steckt. Mit Fans auf den Rängen, die ihre Karten wahrscheinlich sauer verdient und nicht von ihrem Abteilungsleiter zum Geburtstag geschenkt bekommen haben. Ja, die Zeiten ändern sich und wie drückte es ein Freund von mir neulich so treffend aus: „Wenn ich in die Hölle kommen sollte, dann kann der Chef da von mir aus ruhig ein roter Teufel sein.“

Leserbrief an footage

Autor: Arne Jens

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