Als ich klein war, hagelte es im Fußball nicht nur Tore sondern auch Spitznamen. Franz Beckenbauer war „der Kaiser“, Gerd Müller „der Bomber“, Berti Vogts „der Terrier“, Sepp Maier die „Katze von Anzing“ und ein Mann namens Schwarzenbeck hieß "Katsche" und nicht Georg, wie es seine Mutter geplant hatte.
Auch in den folgenden Jahren wurden vielen Spielern viele spannende Bezeichnungen verliehen. „Die Kobra“ Jürgen Wegmann trieb im Strafraum ihr Unwesen, „Tante Käthe“ Rudi Völler auch, der „Kokser“ Jürgen Kohler hielt diese Stürmer vom Toreschießen ab. Und in meiner Erinnerung haben sich gleich zwei „weiße Brasilianer“ einen Platz verschafft. Bernd Schneider und der leider viel zu sehr in Vergessenheit geratene Ansgar Brinkmann.
Und heute? Heute wirken die Versuche, Fußballern den richtigen Spitznamen und somit ein originäres Etikett zu verpassen furchtbar bemüht und einfallslos. „Prinz Poldi“, der „Capitano“ „Schweini“? Wahrscheinlich haben sich das müde Redakteure am Ende einer Nachtschicht ausgedacht und nur ein paar Marketingstrategen haben bei diesen „Geistesblitzen“ in die Hände geklatscht.
Zeit für einen Neuanfang. Es muss doch möglich sein, Philipp Lahm ob seiner komischen Haken „das Häschen“ zu nennen, und wenn nicht Per Mertesacker ein echter „Rübezahl“ ist, wer denn bitte dann? Manuel Neuer schreit fast nach dem Nickname „Babyface“, und wenn nicht wird zumindest Mesut Özil in eine andere Welt katapultiert, er ist dann eben der Nächste, der den Namen „weißer Brasilianer“ erhält.
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