Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 01:55:48

"Eine Schote nach der anderen"

Die Lesereihe TORWORT wird 6 Jahre alt - das Interview

Das Jahr ist noch ganz jung - da feiert es schon seinen ersten ganz großen Geburtstag. TORWORT wird sechs Jahre alt, Kinder wie die Zeit vergeht. Wir gratulieren natürlich herzlich und sprachen mit TORWORT-Vater Sascha Theisen über das Jubiläum, über die Vergangenheit und über die Zukunft. Mehr geht nicht.

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6 Jahre TORWORT, Herzlichen Glückwunsch! Wie wird denn gefeiert?

TORWORT
Vielen Dank! Natürlich mit einem rauschenden Fest in der Bar unseres Vertrauens, in der Hammond Bar im Kölner Süden. Am 9. Januar feiern wir mit einer Lesung und anschließender Party auf der DJ Schnuphase auflegt. Und da freuen wir uns auf ganz besondere Gäste, die wir zu unseren ganz speziellen TORWORT-Freunden zählen. Mit dem Schalker Stefan Barta etwa sind wir mal Samstag morgens nach Berlin-Lichtenberg zu einer Lesung gefahren, haben vor exakt 21 Zuhörern gelesen und anschließend so viel Bier getrunken, dass es uns zu den Ohren raus kam. Am nächsten Morgen um zehn sind wir dann wieder sechs Stunden nach Hause und haben auf der Rückfahrt so ziemlich jedes wichtige und unwichtige Fußballthema durchgekaut. Für alte Männer wie uns zwar anstrengend, aber trotzdem großartig! Außerdem dabei: unser langjähriger Freund Arne Jens, der ein seltsames Internet-Gemisch aus Fußball und Popkultur an den Start bringt und das Ganze dann footage nennt. Arne fehlt uns in Köln ein bisschen. Daher freuen wir uns riesig, dass er uns aus dem Hamburger Exil besucht. Mit Oliver Birkner – dem dritten Gast am Samstag – hoffen wir spätestens am Samstag einen neuen großen Freund zu finden. Als KICKER-Korrespondent in Italien ist er jedenfalls wie geschaffen dafür.
Wie auch immer – wir laden jedenfalls alle TORWORT-Freunde ein, am kommenden Samstag mit uns zu feiern. Nicht zuletzt deswegen, weil wir als Sahnehäubchen unser erstes Buch vorstellen.

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Aha – wie heißt der Schinken?

TORWORT
„Nach Vorne!“ Wir wollten einen echten Fußball-Titel und ich weiß nicht, wie oft ich den Satz schon ins Ohr geschmettert bekommen habe. „Nach Vorne!“ ist eine Sammlung der besten TORWORT-Geschichten. Mit dabei sind unter anderen Philipp Köster, Jens Kirschneck, Fritz Eckenga, Ben Redelings oder Axel Formeseyn. Wer das Ding nicht im Bücherschrank hat, dem ist nicht zu helfen. Also große Bitte an alle: Bitte kauft das Buch. Wir wollen mit dem Erlös unser Hallenbad neu kacheln.

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6 Jahre sind natürlich eine verdammt lange Zeit. Kannst Du Dich überhaupt noch daran erinnern, wie alles angefangen hat?

TORWORT
Na klar. Das war im alten Pressesaal in Köln-Müngersdorf. Da waren so viele Leute da, dass uns in der Halbzeit das Bier ausgegangen ist – was aber auch daran gelegen hat, dass zwei Fortuna Düsseldorf-Fans kurzerhand zwei Kisten Bier geklaut haben. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, wie es um ihre Fortuna-Leidenschaft bestellt war, denn in den Flaschen war Kölsch.
Wie auch immer – 165 Leute waren damals dabei, was uns ganz spitz auf mehr gemacht hat. Die zweite Lesung hat uns dann aber wieder auf den Boden geholt. Mit Philipp Köster, Lars Leese und dem Kölner Stadionsprecher Michael Trippel saßen wir da vor vier Leuten auf der Bühne, von denen wir drei auch noch kannten. Philipp hat uns damals auf dem Weg in die Kneipe aber davon überzeugt weiter zu machen – ein echtes Verdienst von ihm.

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Probieren wir doch mal eine kleine Zeitreise durch die TORWORT-Highlights. Hier mal ein paar Stichworte, zu denen es vielleicht was zu erzählen gibt.
Die Top-Five der besten TORWORT-Momente:

TORWORT
Ganz unabhängig von der Reihenfolge:

Erstens
Joachim Krols Auftritt im Sport und Olympia Museum in Köln kurz vor der WM 2006. Fraglos eine der Sternstunden von TORWORT. Eine großartige Geschichte um einen BVB-Fan am Rande des DFB-Pokalfinales in Berlin, furios vorgetragen. Selten habe ich so viel Gänsehaut-Momente bei einem einzigen Text erlebt.

Zweitens
Klaus Fischer hat mir während einer Lesung mal erklärt, wie ein Fallrückzieher funktioniert – also DER Klaus Fischer wegen dessen Fallrückzieher ich 1982 gegen Frankreich Nächte lang nicht geschlafen habe. Fischer einmal zu treffen – von so etwas habe ich als Kind geträumt, wie heute höchstens noch von Nives Celsius am Mittelkreis oder von der Rückkehr des Mario Krohm in den Sturm von Alemannia Aachen.

Drittens
Ein bisschen skurril war für mich als Aachen-Fan der Gottvater-ähnliche Status, den Hans Meyer in Mönchengladbach besitzt. Der hat mit gehobener Stimme dermaßen pastoral vom TORWORT-Podium herunter gepredigt, dass sogar Hennes Weisweiler blass geworden wäre. Und das gesamte Publikum – im Nordpark waren damals fast 300 Leute – hat ihm mit einer Mischung aus Ehrfurcht und sexueller Abhängigkeit staunend zugehört – das war unterwürfig wie nur was. Nachher haben sich dann alle mit ihm fotografieren lassen und waren wahrhaftig glücklich. Unser DJ Schnuphase hat ihm sogar zugeflüstert, dass er in echt viel schlanker wäre als im Fernsehen. Übrigens bekomme ich seit dieser Lesung ständig E-Mails von Leuten aus Berlin, Nürnberg oder eben Mönchengladbach, die mich förmlich anflehen doch noch mal mit TORWORT zu ihnen zu kommen – natürlich nur, wenn ich Hans Meyer mitbringe. Leider muss ich denen aber immer absagen, weil die Fahrtkosten von Hans Meyer einfach unerschwinglich sind.

Viertens
Als der Ehrendfelder Schriftsteller und Local-Womanizer Michel Birbaek vor einer Lesung im Müngersdorfer Stadion andächtig über den Rasen wandelte, wie einst der Kaiser in Rom, hat uns das zunächst eher etwas befremdet amüsiert. Die Selbstverständlichkeit, mit der Birbaek dann zu vorgerückter Stunde die Groupies durchwinkte, hat uns aber stark imponiert und ist von uns selbst bis heute unerreicht.

Fünftens
Ich habe in der Hammond Bar mal ein Aachen-Text gelesen. Da ging es um eine zweifelhafte Liebesgeschichte und um einen besoffenen Kreisliga-Vorstopper. Anschließend kam es zu einer etwas bedrückenden Stimmung im Raum, da das Ende des Textes nicht unbedingt launig war. Mitten in diese Stille stand eine leicht angetrunkene Besucherin auf und sagt: „Du bist der netteste Aachen-Fan, den ich kenne“. Davon habe ich mich bis heute nicht erholt.

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Der lustigste TORWORT-Moment

TORWORT
Da gab es eigentlich eine Menge. Als Erik Meijer einmal verzweifelt versuchte ein Video zu verbergen auf dem sein bestes Stück gezeigt wurde – das war schon ein echter Lacher. Auch schön: die Versuche der anderen TORWORT-Macher mit Gladbach-Zugehörigkeit die Fahrtkosten von Hans Meyer zu rechtfertigen.
Am schönsten sind aber immer die kleinen Dinge, die vor oder nach einer Lesung so passieren. Die haben immer ganz viel mit den Leuten zu tun, die zu uns kommen und sich das Ganze anhören. Die Thekengespräche mit TORWORT-Besuchern im Anschluss an die Lesungen zeigen eigentlich immer, dass wir zum Glück nicht die Einzigen sind, die völlig bekloppt sind.

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Der bewegendste TORWORT-Moment?

TORWORT
Ein sehr bewegender Moment war der Besuch der alten Bundesliga-Haudegen Willi „Ente“ Lippens und Dietmar Schott. Die Beiden waren großartig, erzählten eine Bundesliga-Schote nach der anderen und wurden am Ende vom Publikum spontan mit Sprechchören gefeiert. Eine Kneipe in der Kölner Südstadt feiert an einem Donnerstag Abend um kurz vor zwölf zwei ältere Männer, die viel zu viel getrunken hatten, dafür, dass sie noch mit dem Auto nach Hause mussten. Das war ein großer Moment und zum Glück ging er so gut aus.

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Der unangenehmste TORWORT-Moment?

TORWORT
Natürlich bleiben Namen in der Kabine. Aber unter Pastorentöchtern: Ein oft als ruhrige Stimmlegende gehypter Gast, auf den wir uns auch noch besonders gefreut hatten, hat mal verlangt, dass alle anderen Autoren während seines Beitrages die Bühne verlassen. Als ich ihm unser Konzept erklärt habe, hat er mir auch noch trocken den Spruch gedrückt: „Hör ma´, Du willst doch nicht ernsthaft mit mir darum kämpfen, da oben sitzen bleiben zu dürfen, oder?“ Das war natürlich schon krass. Aber wir sind oben geblieben. TORWORT ist eben kein Wunschkonzert. Zum Glück blieb das eigentlich die einzige wirkliche Enttäuschung.

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Und was bringt die Zukunft? Was hat TORWORT in den nächsten 6 Jahren vor? Und wo wird TORWORT in 6 Jahren stehen?

TOWORT
In den nächsten sechs Jahren wollen wir mindestens einen Titel gewinnen. Das muss unser Anspruch sein.

Leserbrief an footage

P.S.
Der Typ auf dem Foto ist wirklich TORWORT-Vater Sascha Theisen- Leibhaftig.

Autor: Die Redaktion

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