Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



30.07.2010 18:03:01

Home sweet home

Der eindrucksvollste Moment der noch jungen Bundesliga-Saison: Vor dem Spiel des HSV gegen den 1.FC Köln sitze ich im Stadion und höre die Lotto King Karl-Hymne „Hamburg meine Perle“.

Als echter FC-Fan hätte ich eigentlich in diesem Moment pfeifen oder zumindest ein gelangweiltes Gesicht machen müssen. Konnte ich aber nicht, weil mir komischerweise warm ums Herz geworden ist.

Nun besitzt jeder deutsche Bundesliga-Club einen Song, mit dem man die eigenen Fans auf das bevorstehende Match einstimmen will. Ich vermute, dass die meisten dieser Lieder eigentlich verbannt werden müssten – auf CDs oder in Radiosendungen, die niemand mehr hört. Wenn man sich den Text von „Hamburg, meine Perle“ zu Gemüte führt, gehört auch dieser Song hinter Schloss und Riegel, aber gesungen von knapp 50000 Hamburger Kehlen entfaltet die pathetische Melodie eine eigentümliche Wirkung.

Denn schon nach wenigen Tönen merkt man, dass das Publikum hier gar nicht so sehr den zusammen gewürfelten Haufen unten auf dem Rasen sondern vielmehr die eigene Stadt besingt. Weil es eben, auch wenn es dämlich klingt, ein Lebensgefühl ist, Hamburger zu sein. Und wie viele Fans können das wohl während der eigenen Stadionhymne von sich behaupten: Dass sie in diesem Moment Stolz sind, zum Beispiel ein Hoffenheimer, Wolfsburger oder Leverkusener zu sein? Warm ums Herz wird einem jedenfalls nicht, wenn sich ein Stadion beim Singen nur auf elf Fußballspieler konzentriert, die es früher oder später sowieso wieder aus den Augen verliert.

Leserbrief an footage

Autor: Arne Jens

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