Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 01:57:06

Ein Herz und seine Seele

Über Erik Wegeners Fußballroman "11 Feinde"

Hannover 96-Präsident Martin Kind hat kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Stadionbesucher in Fans und Kunden unterteilt. Die einen seien für die Stimmung verantwortlich, die anderen wichtiger für die Einnahmen eines Klubs.Leider stimmt diese Unterscheidung immer öfter mit der Realität überein, aber wer den Fußball liebt, wird sich wohl immer als Fan fühlen. Erik Wegener hat mit „11 Feinde“ ein Buch für Fans und über einen Fan geschrieben.

Es geht um den in München lebenden Schalke-Anhänger Niko Malente, der vielleicht nicht ganz zufällig den Namen einer berühmten deutschen Sportschule trägt. Niko hat sein Herz unweigerlich und mit allen Konsequenzen an die Königsblauen vergeben. Er kann sich nicht damit abfinden, dass seine Schalker immer wieder die Deutsche Meisterschaft abschreiben müssen, weil der Tabellenplatz 1 am Ende einer Saison in der Regel sowieso schon vergeben ist - an den FC Bayern München. Dass die Bayern den Schalkern die fast sicher geglaubte Meisterschale im Jahr 2001 in letzter Sekunde auf ganz außergewöhnlich grausame Weise entrissen haben, hat bei Niko natürlich besonders tiefe Wunden hinterlassen. Er entwickelt einen genialen Plan, wie er den nächsten Titel der Bayern verhindern kann, die Umsetzung seines Vorhabens erweist sich allerdings als schwierig, mehr soll aber an dieser Stelle nicht verraten nicht werden.

Die Story ist in „11 Feinde“ vor allem auch ein spannender Rahmen für einen faszinierenden Blick in die Seele eines Fußballfans. Niko Malente ist zwar Schalke-Anhänger, in seinen Gedanken und Ansichten dürften sich aber auch problemlos Fans aus Köln, Hamburg oder sonst wo wiederfinden. Nikos Weltsicht ist eben mit viel Leidenschaft verbunden, manchmal kommt er ein bisschen spinnert daher, aber immer authentisch - so wie Fans eben sind. Die Geschichte lässt sich dabei wunderbar leicht lesen und ist gespickt mit treffsicherem Humor. Wenn Niko sich aus Feindschaft zu Borussia Dortmund weigert, gelbes Quittengelee zu essen, wenn er sich an Vereinsnamen aus aller Welt ergötzt, möchte man am liebsten direkt mit ihm ein Bier trinken gehen, um ein Fußballfachgespräch zu führen. Weil Erik Wegener über einen echten Fußballfan in der Sprache der Fans schreibt, lohnt sich die Lektüre dieses Romans vielleicht nicht für den Hannoveraner Präsident Martin Kind und seine Kunden - aber für jeden, der Fußball von ganzem Herzen liebt.

Erik Wegener, „11 Feinde“, Kunst- und Textwerk-Verlag
www.elffeinde.de

Leserbrief an footage

Autor: Arne Jens

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