Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



09.02.2012 02:38:48

Kuranyi, ein Stromfresser?

Warum der Schalker Stürmer so viele Fragen aufwirft

Gut, dass es bald vorbei ist. Seit Wochen schleppen sich die Schalker dem Saisonende entgegen. Achter wird S04 wohl werden. Was soll man dazu sagen.

Kein Spieler personifiziert Schalke derzeit besser als Kevin Kuranyi. Er ist ein Rätsel, und das seit Jahren. Nennen wir ihn mal KK, so wird Kuranyi, 27 Jahre, 1,90 Meter, 227 Bundesligaspiele, in vielen Internetforen von den Fans genannt. KK („kicker“-Notenschnitt: 3,95) wird wieder positiver gesehen. 13 Saisontore hat er auf seinem Konto und sechs Vorlagen. Das Komische: bei Kuranyi weiß man nie, ist das nun viel oder wenig? Er hat erfahrungstechnisch und körperlich alle Voraussetzungen, um auch mal 20 Kisten zu machen, reihenweise Polster'sche Doppelpacks zu schnüren und die Abwehrketten zum Verzweifeln zu bringen. Aber irgendwie klappt das nie.

Liegt das am Spielsystem ohne Zehner, an den schlechten Vorbereitern oder gar am Publikum in der Veltins-Arena? Oder hat es eventuell auch damit zu tun, dass Kuranyi manchmal der Ball vom Fuß springt. „Er ist wahrscheinlich der einzige Stürmer, der gleichzeitig technisch gut ist und technisch schwach“, schrieb einmal die „Süddeutsche Zeitung“. Könnte passen. Kuranyi (52 Länderspiele, 19 Tore) ist ein Unvollendeter, immer noch. Er ist ein überragender Kopfballspieler, ein passabler Ballräuber, teilweise ein super Vorbereiter, er kann den uneigennützigen Pass spielen, er flößt mit seiner Wucht Respekt ein. Aber setzt er diese Fähigkeiten auch Gewinn bringend ein?

Beim 1:0-Auswärtssieg der Königsblauen vor einigen Wochen in München ist mir Kuranyi aufgefallen. Leider nicht positiv. Sicher, als einzige Spitze da vorne hast du es sauschwer, zumal auswärts. Keine Frage. Aber wie er da zeitweise rumstand, das war schon bemerkenswert. Wie er sang und klanglos die Bälle an Demichelis und Lúcio verlor. Er macht es seinen Gegenspielern ein bisschen zu leicht. Die Lunge aus dem Leib rennen, japsen, fighten, kratzen, beißen - das sieht anders aus. Nach meiner Einschätzung hatte KK in der Arroganz Arena genau 1,8 Torschüsse, und knapp 25 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Es gibt nicht wenige Schalkefans, die mosern: Eigentlich spielen wir da mit zehn Mann. Die WDR-Reporterlegende Manni Breuckmann hat sogar mal gesagt, er finde Kuranyis Performance „gruselig“. Reinhard K. Sprenger, der kluge, umsichtige Management-Berater und Fußball-Kenner hat neulich in einem Interview mit dem Fanmagazin „Schalke Unser“ gemeint, Kuranyi ziehe zuviel Energie auf sich. Das trifft es wohl.

Neulich meinte ein Bremen-Fan zu mir, dass viele Klubs froh wären, so einen Stürmer zu haben, und, dass Claudio Pizarro auch viel versemmeln würde. Aber erstens ist Schalke nicht „viele Klubs“ und Kuranyi mit einem europäischen Topstürmer gleichzusetzen (der mal eben den AC Mailand abschießt), ist schon bedenklich. Ich würde KK gerne positiver sehen, wirklich, aber das fällt schwer. Die neue Saison bringt vielleicht die Wahrheit ans Licht. Felix Magath ist meisterliche Knipser wie Dzeko und Grafite gewohnt. Der neue Trainer ist gnadenlos, er geht streng nach Leistung. Und das ist gut so. Vielleicht ist Magath ja genau der Richtige für Kuranyi. Viele Knappenfans hoffen deshalb immer noch. Nach dem Motto: Mal sehn, ob der ihn hinkriegt.

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Autor: Erik Wegener

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