Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



09.02.2012 02:20:43

Erster. Punkt. Sonst nichts.

So obligatorisch wie der Familienstreit an Heiligabend, die Umarmungen wildfremder Menschen in der Silvesternacht oder die Ansprache der Bundeskanzlerin zu Neujahr so unausweichlich ist auch das Ziehen einer Halbzeitbilanz einer nicht mehr ganz jungen aber auch noch nicht alten Bundesligasaison zum Ende der Hinrunde. Für mich (uns) als Bayern-Fan(s) heißt das 2008/2009: Zweiter ... nur Zweiter!
Was für siebzehn von achtzehn Bundesligavereinen einen großen bis übermäßigen Erfolg darstellen würde, ist für den FC Bayern München eine kleine bis mittlere Katastrophe. Wir erinnern uns, Felix Magath wurde seinerzeit entlassen, weil sich der FC Bayern nach der Winterpause nur auf dem dritten Tabellenplatz befand – sprich, sollte die Hertha in naher Zukunft die zwei Punkte Rückstand auf die Münchner aufholen, könnte es eng werden für Jürgen Klinsmann ... theoretisch.
Praktisch hat sich „Klinsi“ nämlich in einer beeindruckenden Serie von elf nicht verlorenen Spielen in Folge vom elften auf den zweiten Tabellenplatz hochgearbeitet. Die Bayern sind punktgleich mit dem Tabellenführer Hoffenheim, haben die zweitmeisten Tore erzielt und haben das zweitbeste Torverhältnis. Auch wenn Jürgen Klinsmanns Arbeitsplatz angesichts dieser Ausgangslage derzeit relativ sicher sein dürfte, so werden derart viele Zweitplatzierungen dem Anspruch des FC Bayern dennoch nicht gerecht – und schon gar nicht dem Anspruch seiner Fans.
Denn entgegen der in Deutschland weit verbreiteten Meinung ist es ganz und gar nicht einfach, Anhänger des FC Bayern München zu sein. Regelmäßig wird man mit dem Vorwurf konfrontiert, man sei ja ohnehin erfolgsverwöhnt und wisse gar nicht, wie es sei, auch in schlechten Zeiten zu einem Verein stehen zu müssen. Immer wieder wird man als Feindbild betrachtet, weil man das in Fußballdeutschland personifizierte Böse der Zunft unterstützt, ohne auch nur annähernd mit dem Verein leiden zu müssen, da er ohnehin immer auf den ersten drei Rängen der Bundesliga agiert.
Und um ehrlich zu sein: Stimmt! Warum auch sonst sollte man Bayern-Fan sein? Wir wollen gewinnen. Wir wollen Meister werden. Und wir wollen die Champions League dominieren. Sollte dies einmal nicht möglich sein, so reden wir uns doch wenigstens die im Uefa-Cup besiegten Gegner stark, damit es immer noch so aussieht, als wären wir auf Augenhöhe mit der Spitze Europas. Wer verlieren möchte, kann sich ja dann immer noch ein gelbes Dortmundtrikot kaufen oder am Kölner Geißbockheim beim öffentlichen Training auf seine Mannschaft schimpfen.
Für uns Bayern-Fans hingegen zählt nur eins: Meister werden. Und da ein zweiter Platz für uns noch nicht mal einen annähernden Erfolg darstellt, lieber Jürgen Klinsmann, hoffe ich, dass die Schlussbilanz dieser Saison anders – besser – ausfällt als diese Halbzeitbilanz: Erster. Punkt. Sonst nichts.


Leserbrief an footage

Autor: Korbinian Hamberger

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