Das Leben eines Fußballfans ist gar nicht so schwer. Hat man einmal den einzig wahren Club für sich gefunden, gibt es eine knifflige Frage weniger und eine Antwort, an der sich nie mehr rütteln lässt. Man mag über Jobs, Wohnorte, Lebensgefährten nachdenken, am eigenen Lieblingsverein hat man keine Zweifel – bums, aus, Nikolaus.
Kompliziert wird es, wenn es um die einzelnen Spieler geht. Eigentlich ist es klar, die Spieler des eigenen Vereins sind die „Guten“, ohne dass diese Einschätzung etwas über ihre fußballerischen Qualitäten aussagen muss, und alle anderen Spieler sind potenzielle Gegner, also die „Bösen“, oder etwa nicht?
Dieses klassische Weltbild wankt gewaltig. Man mag die Kölner Liebe zu Lukas Podolski als Einzelfall abtun, allein er ist es nicht. Nach der Gala-Vorstellung von Patrick Helmes am Wochenende hörte ich von FC-Fans Sätze wie: „Der Helmes ist echt ein geiler Spieler“ oder „Den hätte der FC nicht abgeben sollen“. Immer öfter halten Fußballfans nicht nur dem eigenen Verein sondern auch ehemaligen Angestellten die Treue. In den diversen Managerligen wimmelt es in den Kadern meiner Konkurrenten nur so von Spielern, die früher mal für ihren Lieblingsverein gespielt haben. Die Fraktion derer, die abtrünnige Kicker als Söldner oder gar „Verräter“ einstuft, leidet an einem Mitgliederschwund, ähnlich groß wie bei der SPD.
Vielleicht steckt dahinter die Hoffnung auf die Rückkehr verlorener Söhne, vielleicht die Einbildung, dass die Ausbildung beim eigenen Club eine besonders gute gewesen sein muss. Vielleicht leidet man aber auch unter dem Verlust – der eigenen Leidenschaft.
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