Auf Spielerpostitionen sind schon viele Abgesänge verfasst worden. Grad jetzt bei dieser EM muss der klassische Mittelstürmer dran glauben, und Libero oder Mittelfeldregisseur können ein Lied vom gleichen Schicksal singen.
Spielertypen aber halten sich, und insbesondere das deutsche Team darf sich freuen, wenn sie einen ganz bestimmten in ihren Reihen hat – er wird in der Regel Leitwolf genannt. Die großen Erfolge des deutschen Fußballs sind eng mit Leitwölfen verbunden. Beckenbauer 1974, Matthäus 1990, Sammer 1996 und nun bei dieser EM ist es Michael Ballack, der die Richtung vor und den Ton angibt und eben all die Dinge macht, die ein Leitwolf zu leisten hat.
Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass auch Ballack die Deutschen zu einem großen Triumph führen kann, er ist zwar mit 32 vielleicht schon ein bisschen zu alt (Beckenbauer, Matthäus und Sammer waren bei ihren größten Triumphen knapp unter 30), aber die anderen verbliebenen Teams im Turnier haben gar keinen echten Chef im Ring. Bei den Russen ist Andrej Arschawin zu leise, um ein Lautsprecher zu sein, bei den Spaniern wird die Last auf viele kleine Könner verteilt und bei den Türken ist kein Spieler der größte Star im Team – sondern die Unberechenbarkeit.
Und doch befallen mich manchmal Zweifel, bei denen Ballack nicht so recht in die Garde der großen deutschen Fußballhelden passt. Man traut ihm zu, auch nach der Karriere sympathisch zu bleiben. Das haben Beckenbauer, Matthäus und Sammer nicht so ganz geschafft.
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