Fußballfunktionäre und Fußballspieler haben eins gemeinsam. Manchmal stehen sie frei vor dem Tor, überlegen zu lange und treffen genau die falsche Entscheidung. Vielleicht haben sie dann nur einen schlechten Tag erwischt, aber immerhin war der in der Regel gut bezahlt.
Bei den Funktionären der UEFA muss irgendwann das Torverhältnis als Entscheidungsfaktor einem solchen Tag zum Opfer gefallen sein. Damals wurde der direkte Vergleich zwischen zwei Mannschaften zum wichtigsten Zünglein an der Waage ernannt. Eine Begegnung entscheidet seitdem über das Schicksal von den Teams, die am Ende einer Spielrunde punktgleich in der Tabelle stehen.
Und jetzt bei dieser EM haben wir den Salat – denn der direkte Vergleich ist ein hinkender, der einen faden Beigeschmack hinterlässt. Wenn das Torverhältnis die tragende Rolle gespielt hätte, wären die Portugiesen nicht mit einem Reserveteam gegen die Schweiz angetreten, denn Türken und Tschechen hätten sie noch vom ersten Platz verdrängen können. Die Kroaten hätte sich nicht schon nach zwei Spielen auf der sicheren Seite fühlen können, weil ihnen das deutsche Team noch im Nacken gesessen hätte (zumindest theoretisch, im Moment spielt die deutsche Mannschaf so, als ob sie niemandem im Nacken sitzen kann). Und die Spanier könnten sich nicht im letzten Spiel gemütlich zurück lehnen, weil auch die Russen noch den ersten Platz erobern könnten. In allen Gruppen hätte man sich an weiteren Sturmläufen, Abwehrschlachten und schönen Rechenspielen erfreuen können. Doch stattdessen sehen wir Spiele, die ihre Bedeutung nur noch aus dem kühlen Wort Statistik beziehen und für Fans so spannend sind wie eine öffentliche Trainingseinheit. Wenn Kroatien nicht gegen Deutschland, Russland nicht gegen Spanien und Portugal nicht gegen die Türkei gewonnen hätte, dann wäre es vielleicht anders gekommen. Aber im Fußball hängt eben vieles von der Tagesform ab.
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