Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



09.02.2012 02:50:40

Sieben Stück und der Böhmen-Messi

footage-Ligakolumne - 32. Spieltag

Schon jetzt, zwei Spieltage vor dem Ende: Mein kleiner Rückblick auf die insgesamt eher unspannende Spielzeit 2007/08. Duisburg, Bielefeld, Nürnberg und Cottbus streiten ja noch um einen Restplatz in der Eliteliga, ansonsten ist der Saisonpudding ja längst ausgelöffelt.

THÜRINGISCHES GOLD: Spieler der Saison ist für mich Jan Simak. Ja, richtig gelesen! Sieben Tore hat der 29-Jährige für Carl Zeiss Jena erzielt, dazu gab der Tscheche acht Vorlagen. Die Belohnung ist ein Job beim VfB Stuttgart. Simak kann fummeln, er ist wendig, ziemlich unberechenbar und er hat stets den Überblick – fast ein böhmischer Mini-Messi.

GÄHNENDE SPREE: Die langweiligste Mannschaft der Bundesliga ist, knapp vor Arminia Bielefeld, aber doch eindeutig: Hertha BSC. Die graue Hauptstadtmaus ist noch viel öder als das weitläufige Olympiastadion. Magere 20 Törchen in 16 Heimspielen! Sogar die Spreesprotten gähnen, wenn sie Drobny und Friedrich sehen. Gegen die Berliner Kicker Lustenberger und Simunic ist ein Bingo-Marathon im Seniorenheim „Theodora“ in Neukölln beinahe Hollywood.

EUVEGAL-TRAINER: Ralf Loose geht wohl als „Sprödester Coach ever seen“ in die Zweitliga-Geschichte ein. Manchmal hatte man den Eindruck, der Typ übersetzt auf der Augsburger Bank ein Shakespeare-Sonett ins Litauische, so still war es dort. Loose verzieht keine Miene. Gefühlsausbrüche sind bei dem Ex-Dortmunder so selten wie Tore vom Lauterer Björn Runström. Vielleicht ist Loose aber dennoch ein solider Fachmann.

KURVENAMBIENTE: Dickes Kompliment an die SGE! Frankfurt hat richtig gute Fans. Im Intercity nach Mannheim meinte ein hessischer DFL-Mitarbeiter zu mir, ich solle die Stimmung in der Commerzbank Arena genießen. Eine Bemerkung, die mich nachhaltig verwirrte. Aber nach dem Match Eintracht Frankfurt – Energie Cottbus (2:1) war ich beeindruckt, er hatte Recht.

AUSWÄRTSSPIEL: Ich war in Barcelona beim CL-Viertelfinale gegen Schalke 04 im April (1:0). Enttäuschend, dass das Camp Nou, exakte Kapazität: 98.787, leer (wirklich ein Erlebnis!) imposanter ist, als gefüllt mit Zuschauern. Die Barça-Fans (viele Opas, Sesselgucker, Stehen ist verpönt) kommen erst drei Minuten vor Spielbeginn, gehen schon zehn Minuten vor dem Abpfiff und bleiben stumm. Noch was…

VELOURSTEPPICH: In Katalonien ist ja vieles suboptimal derzeit: 14 Punkte hinter Real, unterwürfiges Spalierstehen für den Meister und jetzt noch diese peinliche 1:4-Klatsche im Bernabeú. Barças Greenkeeper aber müssen exzellent sein. Der Rasen im Camp Nou! Wahnsinn! Ich durfte ihn betreten. Besser als jeder Schurwoll-Edel-Velours.

AUF EINEN STREICH: Sieben Stück! Soviele Dinger hat Meister Rapid Wien den Salzburger Limonadenkeglern (Kampfname: Stierchen) eingeschenkt. Eine totale Demontage, ein delikates Schmankerl. Den Ostersonntag wird „Trap“ so schnell nicht vergessen. Rapid-Trainer ist übrigens einer, den sie beim TSV 1860 noch ziemlich gut kennen: Peter Pacult.

NULLINGERPARTY: Oh Stern des Friedens. Welch’ Fankultur, welch’ Euphorie! Die Wichtigkeit der Weißbierduscher konnte man nach dem programmierten Schalengewinn am Wochenende erkennen - am Autokorso der roten Anhänger auf der Schwabinger Leopoldmeile: Es gab nämlich keins.

Leserbrief an footage

Autor: Erik Wegener

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