Schwarze und weiße Teamgeist-Kapseln bilden den Kern der Auslosung zur FIFA-Fußball-WM ™ 2006 in Leipzig. Teamgeist-Kapseln stehen auf keiner Doping-Liste, sondern sind Miniaturen des offiziellen WM-Spielballs „adidas-Teamgeist™“ der bereits am Donnerstag der erstaunten Weltöffentlichkeit präsentiert wurde.
Was die prominente achtköpfige Glücksfee-Komission aus dem Inneren der Kapseln hervorzaubert, lässt sich sogar eigentlich ganz gut sehen. Das blanke Ergebnis der Auslosung verspricht spannende Begegnungen schon in der Gruppenphase und, für viele wichtig, eine nicht allzu schwere Gruppe für die deutsche Mannschaft.
Die Inszenierung des Ereignisses lässt allerdings viele Wünsche offen – insbesondere für die befreundeten Zuschauer aus dem Iran. Dort musste nämlich Heidi Klum aus Züchtigkeitsgründen aus der zeitversetzten Ausstrahlung geschnitten werden.
Natürlich muss man der ARD zugute halten, dass es keine leichte Aufgabe ist, die subtile Großkotzigkeit, die Veranstaltungen unter Beteiligung von Franz Beckenbauer und Sepp Blatter naturgemäß innewohnt, geschickt zu kontrapunktieren. Daher muss man es wohl als strategischen Schachzug ansehen, dem unvermeidlichen Beckmann Heidi Klum an die Seite zu stellen. Eine Frau, die angenehmerweise so gar nichts Staatstragendes an sich hat. Die Momente, in denen Heidi vergnügt quietscht und quäkt, gehörten folgerichtig zu den besseren Augenblicken des Abends. Was nicht so unbedingt für die Sendung sprechen will.
Die Einnahme der einen oder anderen Geistreich-Kapsel™ hätte man den Programmverantwortlichen schon ganz gern verschrieben, denn immerhin wird das Spektakel live in eine knappe Viertelmillion Länder übertragen. Wenn das Volk Gottschalk will, na gut. Aber das hier ist eine internationale, mediale Visitenkarte.
Die Protagonisten verschwinden in einem gigantischen Bühnenbild, das von der endgültigen Versöhnung mit den Ideen Albert Speers zeugt. Kinder in selbst gemachten Pappmaschee-Kostümen rechtfertigen André Hellers millionschweres Kulturprogramm und schließlich, kurz vor dem Klimax, zaubert die ARD eine niederländische Magiertucke aus dem Hut, gegen die Siegfried und Roy wie in siedendes Testosteron gedippte Highschoolstecher wirken.
Es steht außer Frage, dass ich mich auf nichts mehr freue als auf die WM im eigenen Land. In meinem Land. Die WM bei mir. Denn ich bin doch Deutschland, oder war das nicht so gemeint?
Ich bin Erfinder der Ziehung der Lottozahlen, schlank, kurz und ergebnisorientiert. Und dennoch glaube ich, Samstagabendshow sein zu müssen. Ich will Gala sein, mit pathetischem, viel zu langem Imagefilm. Scheiße, ich bin Deutschland – ich bin im Arsch.
Nachdem eigentlich alles vorbei ist, betritt unsere neue Kanzlerin die Bühne und subsumiert das Geschehen. Analytisch und kompetent spricht sie von einer lösbaren Aufgabe, man müsse sich nur gut vorbereiten. Sie wirkt dabei so spröde und uncharmant, dass sich selbst die Cutter im Iran entspannt zurücklehnen.


