Es ist schon einige Jahre her als der Kaiser seinen fünfzigsten Geburtstag beging. Trotzdem erinnere ich mich noch ziemlich gut daran. Dem Anlass entsprechend wurde ein komplettes WM-Finale nachgespielt – das von 1974. Die deutsche Elf trat ein letztes Mal in Originalbesetzung gegen die der Niederlande an. Ort des Geschehens: natürlich der Originalschauplatz, das Münchener Olympiastadion. Die einzige Abweichung war der Mann am Mikrofon. Hier saß nämlich nicht Rudi Michel, sondern der unvermeidliche Fritz von Thurn und Taxis. Warum ich das erzähle? Nun – der gute Mann hatte damals seinen einzigen lichten Moment. In einer für ihn untypisch witzigen Art und Weise erzählte er von einem Saufgelage, das sich einen Tag vor dem Endspiel 1974 in seiner Familie zugetragen hatte und das Schuld daran war, dass er das große Spiel in einem abgedunkelten Raum mit höllischen Schmerzen erlebte. Eine Saufgeschichte als Karrierehöhepunkt – traurig aber wahr.
Wer sich aufgrund mangelnder Spieltag-Alternativen für ein Live-Spiel der Bayern bei Premiere entscheidet, kriegt in den letzten Jahren, Monaten und Wochen regelmäßig eine gewaltige Keule: den alten Fritz. Der Mann ist zwar immer adrett gekleidet und stets darauf bedacht den „Elder Statesman“ zu geben – was er aber als Moderation zum Besten gibt, erinnert an die weinerlichen Beiträge von Claudia Roth in sonntäglichen Talkshows – erinnert an ausgemachten Mist. Und das Schlimmste: Der alte Fritz ist mittlerweile der einzige Akteur, der von Ottmar Hitzfeld nicht raus rotiert wird. Warum eigentlich nicht? Da werden Spielernamen vertauscht und Spielsituationen fehlinterpretiert, dass es eine wahre Freude ist. Der argentinische Spieler sieht aus wie ein Zigeuner, der Asamoah hat Kraft wie ein Bulle und der Ottmar, ja der Ottmar...
Selten hat das Genre einen Vertreter erlebt, der sich so in einen konfusen Zustand redet wie der alte Fritz es tut. Vor allem: Er hört nicht auf. Spieltag für Spieltag, Saison für Saison bleibt er dabei – ganz so als säße er immer noch in jenem angedunkelten Raum vom Juli 74 – gepeinigt von Kopfschmerzen, Seite an Seite mit wirkungslosen Schmerztabletten. Die Saufgeschichte als Karrierehöhepunkt. Wann sieht der alte Fritz nur endlich wieder das Sonnenlicht?
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