Moral ist ein hohes Gut in der Bundesliga. So hoch wie die Gehälter, die inzwischen den Spielern gezahlt werden. So hoch wie die Eintrittspreise für einen durchschnittlichen Sitzplatz im Stadion.
Wie jede Moral hat auch die in der Bundesliga ihre Apostel. Sie melden sich besonders gern dann zu Wort, wenn Spieler über die Stränge schlagen und für einen kurzen Moment die Nerven verlieren.
In den letzten Wochen konnten sich die Moralapostel freuen, mit den Vergehen von Diego, Mario Gomez oder Jan Koller ließ sich der erhobene Zeigefinger schön in Position bringen. Gerade Spielern wie Diego, Koller oder Gomez dürfe so etwas nicht passieren, äußerten die Bedenkenträger dann. Den Spielern Sotirios Kyrgiakos, Altin Lala oder Maik Franz wurden diese Worte nicht mit auf den Weg gegeben, obwohl man sie wahrscheinlich nicht von einer gewissen Mitschuld an den Ereignissen freisprechen kann.
Warum sollen eigentlich gerade Spieler wie der sonst eher sanftmütige Riese Koller, der magische Diego oder der sympathischen Gomez gegen jegliche Art des Kurzschlusses gewappnet sein? Eigentlich sind ihre Reaktionen doch viel menschlicher als Fouls, die eine schwere Verletzung des Gegenspielers mehr als billigend in Kauf nehmen. Nun, sie haben eben Pech, denn leider werden sie den hohen Moralmaßstäben der Bundesliga nicht gerecht.
Leserbrief an footage

