Sie ist keine rüstige Frührentnerin, die in Bayern lebt. Aber sie ist für mich eine stetige, inspirierende Begleitung geworden. Im Zug oder am Frühstückstisch.
Begonnen hat unser Verhältnis erst vor 7 oder 8 Jahren. Was die „Süddeutsche“ vorher getrieben hat, weiß ich nicht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es gut gewesen ist.
Ich habe sie mir zunächst nur montags wegen des „jetzt“-Magazins gekauft.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hat viele Sprösslinge zur Welt gebracht, aber diese Beilage – für die Jugend gedacht und von so vielen „Erwachsenen“ gelesen – war vielleicht ihr prägendster Ableger. Noch heute ist der Stil des „jetzt“-Magazins ein fester Bestandteil der Medienlandschaft. Manchmal kopiert, manchmal erreicht und gut verteilt in allen möglichen Publikationen.
Natürlich war es ein bitterer Moment, als das „jetzt“-Magazin im Sommer 2002 eingestellt worden ist. Damals konnte man der „SZ“ tatsächlich einmal böse sein. Aber vielleicht war es auch eine kluge Entscheidung, ein Abschied auf dem Höhepunkt des Schaffens. Gut möglich, wenn man bedenkt, welch enttäuschende Entwicklung der vermeintliche „jetzt“-Nachfolger „Neon“ genommen hat.
Die „Süddeutsche“ hingegen ließ sich nicht beirren und liefert bis heute redaktionelle Ideen, auf die man selber hätte kommen wollen. Hätte kommen können, vielleicht auch manchmal.
Das herrlich hintersinnige und doch infantile „Gemischte Doppel“ im SZ-Magazin zum Beispiel. Oder eben dort die wunderbare Erläuterung aktueller „Prinzipien“ der etwas anderen Art. Das Album der Arten in der Wochenendebeilage war auch so eine schöne Serie. Und da gibt es auch jeden Samstag ein großartiges Interview. Ein Mensch und ein Thema im Mittelpunkt. Und obwohl man die Worte nur niedergeschrieben sieht, ist es manchmal so, als ob man live hören könnte, wie sich die nächste Antwort an die nächste Frage reiht.
Man könnte der „Süddeutschen Zeitung“ noch viele Komplimente machen. Aber das wichtigste ist wohl, dass sie trotz aller Ernsthaftigkeit nie die Überraschung aus den Augen verliert. Man kann sich auf sie verlassen, gerade weil sie sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt
Am 6. Oktober ist sie 60 Jahre alt geworden. Und das kleine „footage“-Magazin gratuliert der großen „SZ“ zum Geburtstag. Mit etwas Verspätung, aber umso herzlicher.

