SAT 1 zeigt es allen und dürfte nach gestern Abend keinen Grund zur Klage haben. Immerhin 10 Millionen Zuschauer haben sich das Champions League-Viertelfinale zwischen Bayern München und Chelsea London angeguckt. Vieles von dem, was man sehen und hören konnte, zog sich allerdings bereits seit der Vorrunde wie ein roter Faden durch die Berichterstattung des Privatsenders.
Im Mittelpunkt eines jeden Champions League-Abends stand und steht Oliver Welke. Der nebenberufliche Comedian lässt dann durchaus mal die eine oder andere amüsante Bemerkung fallen, vor allem zeichnet er sich aber dadurch aus, dass er dem Wort „gleich“ eine völlig neue Bedeutung verleiht. Mehrmals wird gleich noch das andere Viertelfinale zwischen den Mailänder Clubs gezeigt. Bis es soweit ist, vergeht aber eine halbe Ewigkeit, die durch Werbespots und die gleichen Fragen an verschiedene Mitglieder des FC Bayern München überbrückt wird. Was das Wort „gleich“ wirklich bedeutet, wüsste Welke, wenn er dabei sein könnte, wie den Zuschauern bei dieser Prozedur gleich der Geduldsfaden reißt.
Flankiert wird Welke immer von Oliver Bierhoff, der immer mehr wie ein lebendiges Wella-Shampoo wirkt. Bierhoff ist nicht nur Teammanager der deutschen Nationalmannschaft sondern auch SAT 1-Experte, kein leichter Job, denn dabei muss er die oft rhetorischen Fragen von Welke in glasklare Aussagesätze verwandeln. Es gelingt ihm problemlos.
Die Krönung eines SAT 1-Berichts von der Königsklasse findet aber dann statt, wenn wie gestern Abend Jörg Wontorra ein Spiel live kommentieren darf. Dann hallt es „Huth“ durch das Wohnzimmer, während Frank Lampard das 1:0 für die Londoner schießt, und wenn Damian Duff eine riesige Chance vor Oliver Kahn vergibt, spricht Wontorra fehlerfrei den Namen Eidur Gudjohnsen aus. Korrekturen sind in solchen Fällen Wontorras Sache nicht. Er fürchtet sich lieber vor Mehmet Scholl („Uiii, der sieht aber bissig aus“) oder klopft Bastian Schweinsteiger zur Halbzeit aus der Ferne auf die Schulter („Kopf hoch, Schweini, da geht noch was“). Spätestens in diesem Moment möchte man den SAT 1-Reporter beiseite nehmen und ihm zuflüstern: „Mund zu Wonti! Rien ne va plus.“
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