Erstaunliche Neuigkeiten aus dem streng wissenschaftlichen Umfeld erreichen uns aus Münster. Eine Diplomarbeit im Studiengang Mediendesign stellte der Diplomand Hanno Schaaf ganz in den Kontext des schlechten Benehmens. Unter www.badbehaviour.de gibt er Musikern, Sportlern, Filmstars und Politikern ein neues Zuhause, die durch teils originelle Übergriffe das Reich der Contenance für einen amüsanten Kurztrip verlassen haben.
Aus britischen Special-Interest Magazinen hat Hanno Schaaf die besten Geschichten gesampled und überreicht uns eine umfassende Sammlung menschlicher Abgründe. footage traf den Künstler in Kölns letztem Refugium der Kultiviertheit, dem Hallmackenreuther am Brüsseler Platz.
footage: Wie entstand badbehaviour.de?
Hanno Schaaf: Das ist meine Diplomarbeit im Studiengang Mediendesign an der Fachhochschule Münster. Danach gab es noch eine Ausstellung zum Thema, die drei Tage lang lief. Ich hatte einen Raum zur Verfügung, den ich passend zum Thema dekorieren konnte. Ein paar der Geschichten, die sich bei badbehaviour.de finden, konnte ich so noch mal verbildlichen.
footage: Wie bist du denn überhaupt auf das Thema gekommen?
HS: Ich habe lange überlegt, aber ich wollte unbedingt etwas machen, mit dem ich mich identifizieren kann und keine ganz glatten Themen, die irgendwie jeder machen könnte. Ich lese ohnehin dauernd diese Zeitschriften, in denen all diese „bad behaviour“-Geschichten stehen. Vor allen Dingen das „Loaded“-Magazin, da stehen so geile Stories drin, die würde hierzulande wahrscheinlich keiner lesen, weil die meisten Leute in Deutschland den Spaß daran einfach nicht verstehen. Da sind halt schon ein paar derbe Späße dabei, typisch englischer Humor eben.
footage: Wie hast Du die Zeitschriften, also zum Beispiel das Loaded-Magazin entdeckt?
HS: Die habe ich irgendwann in London entdeckt und dann immer gelesen, wenn ich in England war. Mittlerweile kauf ich mir „Loaded“ aber immer bei eBay, dort kriegt man die einen Monat später immer relativ preiswert. Normalerweise kostet die ja immerhin 12 Euro.
footage: Es ist natürlich schon auffällig, dass es in Deutschland solche Art von Magazinen gar nicht gibt.
HS: Ja, dafür gibt es in Deutschland wahrscheinlich gar keine Zielgruppe, obwohl meine ganzen Freunde diese Geschichten eigentlich alle total witzig finden.
footage: Inwiefern wird „bad behaviour“ in England von den Medien anders bewertet als in Deutschland?
HS: Es wird einfach viel witziger beschrieben und nicht einfach nacherzählt. Vielleicht könnte man das in Deutschland gar nicht so, ich habe auch überlegt, ob ich die Geschichten übersetzen soll, es dann aber gelassen, weil das einfach unmöglich ist.
footage: Vielleicht gibt es in Deutschland auch einfach nicht so viel „bad behaviour“? Vielleicht fehlt uns einfach nur ein Typ wie Paul Gascoigne...
HS: Doch „bad behaviour“ gibt es schon, aber das steht nur in der BILD-Zeitung, aber leider ist es dann überhaupt nicht lustig. Es gab ja auch in Deutschland Typen, die sich oft schlecht benommen haben, wie z.B. Mario Basler oder Stefan Effenberg, aber inzwischen ist das auch nicht mehr so. Was den Fußball angeht, werden die Typen hierzulande einfach immer glatter und langweiliger.
footage: Diese Diskussion über die fehlenden Typen gibt es ja schon länger...
HS: Es gibt einfach keine mehr, heute wird halt jeder schnell untergebuttert. Das liegt aber auch einfach an der unglaublichen Medienpräsenz. Solche Fälle wie neulich mit dem Rostocker Rene Rydlewicz - so was gab es früher andauernd. Da hat sich aber einfach keiner drüber aufgeregt, und das hat dann keine Folgen gehabt.
footage: Was fällt einem auf, wenn man diese ganzen Geschichten über bad behaviour liest? Sind es immer wieder die gleichen Muster? Benehmen sich Musiker anders daneben als Fußballer?
HS: Man kann das so nicht einordnen, aber es kommen immer wieder die gleichen Leute zum Vorschein. In den bad behaviour-Top Ten der letzten Jahre tauchten beim Loaded-Magazine eben vor allen Dingen Lemmy von Motörhead, Paul Gascoigne und Liam Gallagher auf.
footage: Jetzt finden sich unter deinen Kandidaten ja nicht nur Musiker, Filmstars und Sportler sondern auch Politiker. War das eine ganz bewusste Entscheidung, die auch mit hinein zu nehmen?
HS: Ja klar, also ich wollte auf keinen Fall jemanden ausschließen (lacht). Was ich beispielsweise sehr witzig fand, war - und das musste dann natürlich auch auf jeden Fall rein - der ecuadorianische Ex-Präsident, der im Batman-Kostüm aus dem Hubschrauber gesprungen ist und dann seinen Nachfolger zum Kampf rausgefordert hat. Und als er nach seinen Motiven gefragt wurde, antwortete er: „I do whatever the hell I want.“
footage: Wie bist du auf die Idee für die Gestaltung der Website gekommen?
HS: Ich überleg mir das eigentlich nicht von Anfang an konkret, sondern das passiert einfach Schritt für Schritt. Für die einzelnen Räume habe ich mir also nicht vorher eine Liste gemacht, sondern das ist alles mehr spontan entstanden anhand der Geschichten, die aber natürlich schon irgendwie in Rubriken unterteilt hatte.
footage: Gab es Überlegungen, in deine Website auch Sounds und Videos einzubinden?
HS: Sound gibt es ja in Form eines längeren Oasis-Interviews. Videos wollte ich erst reinnehmen. Ich dachte, ich hätte das Video von den Stones, wo Keith Richards einen Fernseher aus dem Fenster schmeißt. Habe das Video dann aber nicht mehr gefunden und hatte am Ende auch keine Zeit mehr, weil die Arbeit fertig werden musste.
footage: Bist du eigentlich auch Fußball-Fan?
HS: Ja, klar. Bayern-Fan. Ich hab übrigens auch mal Mehmet Scholl kennen gelernt und zwar auf der After-Show-Party nach dem ausgefallenen Oasis-Konzert in München. Am Abend vorher hatte Liam Gallagher bei einer Prügelei zwei Schneidezähne verloren...
footage: Danke für das Gespräch!
www.badbehaviour.de
Kontext:
www.loaded.co.uk
www.q4music.com
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