Während die Bundesliga sich in einem außergewöhnlich spannenden Saisonfinale befindet, spielt sich das wahre Drama in Köln ab – zumindest wenn man der dort beheimateten Presse glauben darf. Um den ersten FC aus Köln ist nämlich in der vergangenen Woche eine echte Schlacht entbrannt, und weil der Verein nicht aufsteigt und sich nur in der Mitte der Tabelle befindet, wurden Vergleiche mit dem Untergang der Titanic herauf beschworen.
Nun gibt es in Köln Boulevardzeitungen wie „Express“ und „Bild“, die übertreiben müssen, um zu überleben, aber es gibt auch den Kölner Stadt-Anzeiger und der gibt sich eigentlich gerne anspruchsvoll und seriös.
Im Sportteil dieses Stadt-Anzeigers sieht Journalismus so aus: In unregelmäßigen Abständen wird die schlimmste und größte Krise des 1. FC Kölns ausgerufen. Als Lösung aller Probleme gilt den Redakteuren dann immer die Ablösung eines Verantwortlichen. Im Moment fordert man zur Abwechslung die Entlassung aller drei Verantwortlichen. Vom Präsidenten Overath über den Manager Meier bis zum Trainer Daum.
Manchmal schlagen die „Sportjournalisten“ beim Stadt-Anzeiger aber auch andere Töne an. Ewald Lienen wurde einst über den grünen Klee gelobt, und sogar dem Schweizer Latour wurde bescheinigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn der FC ein paar mal zu oft verliert, wird aber sofort der Rausschmiss derer verlangt, für die man noch vor wenigen Wochen unterstützende Worte gefunden hat. Irrtümer geben die „Sportjournalisten“ des Stadt-Anzeiger aber nicht zu. Muss man natürlich auch nicht. Man kann auch in den nächsten zwanzig Jahre immer wieder dasselbe schreiben. Guter Journalismus ist das nicht. Aber es passt ganz gut. Denn in Köln ist nicht nur der FC sondern auch die dort beheimatete Presse zweitklassig.
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