Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



06.02.2012 03:11:14

Wie lange läuft der Vertrag von Schoko Schachner?

Die footage-Ligakolumne - 24. Spieltag

"Schachner am Ende! Geht Schachner die Luft aus? Was wird aus Schachner?" - So lauteten in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen um den Coach der Münchner Löwen. Nachdem sich die
Lokalpresse in den Wochen zuvor mehr mit dem Trainerwechsel an der Säbener Straße beschäftigte und selbst die Zukunft des mittlerweile ehemaligen HSV-Trainers Doll eher ein Thema in den bayrischen Gazetten war, richtete sich nun der Fokus der Münchner Presse wieder auf Walter "Schoko" Schachner.

Eine gründliche Analyse seiner Arbeit an der Grünwalder Straße brachte erschreckende Ergebnisse ans Tageslicht: Vor ziemlich genau einem Jahr übernahm Schachner einen ambitionierten Zweitligisten, der nach dem Abstieg im Sommer 2004 immer noch die lebensnotwendigen Strukturen eines Bundesligisten vorweisen konnte. Die sportliche Perspektive stimmte damals beim TSV 1860 ebenfalls, auch wenn es die Mannschaft wochenlang nicht schaffte, die notwendigen Punkte einzufahren, um zu dem Kreis der ganz heißen Aufstiegsfavoriten zu zählen. Die Verantwortlichen des Vereins sahen Anfang 2006 akuten Handlungsbedarf: Der stets engagierte Trainer Rainer Maurer erreiche sein Team nicht mehr, so die offizielle Verlautbarung nach seiner Entlassung. Geholt wurde der in Deutschland unbekannte österreichische Trainer W. Schachner, der sich - noch ohne eigene Leistung vollbracht zu haben - beim TSV 1860 in die Gilde der Trainer aus Austria mit prominenten Vorgängern wie Max Merkel oder Peter Pacult einreihen durfte. Die Vorzeichen schienen wieder günstig zu sein für die Sechzger. Doch der Verlauf der dann folgenden Monate war nicht geprägt von Erfolg und Aufstiegseuphorie: Stattdessen taumelte eine verunsicherte Mannschaft fast dem Abstieg entgegen. Dazu kam die katastrophale Finanzlage, die in allen Einzelheiten in der Presse besprochen wurde. Spieler mit Zukunftsperspektiven wie Matze Lehmann oder Timo Ochs mußten verkauft werden.

Im Sommer versprach der Trainer Besserung und zeichnete den verärgerten Fans glänzende Aussichten für die neue Spielzeit auf. Aber auch in dieser Saison mußten die Fans des Deutschen Meisters von 1966 viel ertragen: Debakel in Karlsruhe, Debakel in Unterhaching, Debakel in Jena. Zusätzlich sorgte man ungewollt für eine kurzzeitige Belebung des Tabellenletzten Eintracht Braunschweig, der einen der beiden Saisonsiege im Heimspiel gegen 1860 einfahren konnte.
Einige Leistungsträger scheinen in diesem Umfeld, welches nach dem Abstieg aus der Bundesliga nicht mehr zu Ruhe gekommen ist, keine sportliche Zukunft mehr zu sehen. Wer will es ihnen auch verdenken? Nachwuchstalent Nicky Adler ist der Erste, der seine Fußballstiefel in der kommenden Saison für einen Bundesligaverein schnüren wird. Gerüchten zufolge werden Daniel Baier und Nema Vucicevic ebenfalls in die Erste Liga wechseln. Dorthin, wo eine Rückkehr der Löwen mittelfristig ausgeschlossen scheint. Dabei stehen dem Verein auch aussortierte Spieler wie P. Agostino oder H. Cerny im Weg, die gehörige finanzielle Mittel binden, die anderswo dringender benötigt werden wür-den. Von einem Langzeitverletzten wie R. Tyce ganz zu schweigen.

Doch es hat sich trotzdem etwas getan auf Giesings Höhen. Gingen die Fans früher auf die Barrikaden, eskalierte z.T. sogar die Gewalt, ertragen sie die gegenwärtige Situation mal mehr, mal weniger
emotionslos. Fast möchte man diesen Zustand als lethargisch bezeichnen wollen. Sie scheinen die Zeit einfach nur aushalten zu wollen; wohlwissend, daß sich der Verein eine vorzeitige Trainerentlassung nicht leisten kann. Und hoffen darauf, daß der Nachfolger alles anders macht. Und das man wieder
anklopft, an der Tür zur Bundesliga.

Denn irgendwann läuft auch der Vertrag von Schoko Schachner aus. Ganz sicher.

Autor: Jörg Scharnweber

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