Uli Hoeneß hat am Wochenende fern ab von seinem eigenen Problem Bayern München noch ein anderes Problem entdeckt, das er mit drastischen Worten umschrieb. Schwalben seien für ihn „eine Vergewaltigung des Sports“. Ungewohnt harte Worte für die verbreitete Fallsucht vieler Fußballspieler, ungewohnt auch, dass man dem Bayern-Manager Recht geben muss.
Allerdings sind Unfairness und fehlender Sportsgeist in der Bundesliga schon seit Jahren so fest verankert, wie eine Bohrinsel im Ozean. Die Spieler versuchen ja nicht nur Elfmeter zu schinden, sie wälzen sich auch im Mittelkreis ohne Fremdeinwirkung leidvoll am Boden und wenn sie tatsächlich Foul spielen, schauen sie mit erhobenen Händen so unschuldig drein wie ein kleines Kind.
In den meisten dieser Fälle sind die Spieler aber nicht von Verzweiflung getrieben, weil eine Partie auf der Kippe steht und nur noch wenige Minuten zu spielen sind, vielmehr zählen schmutzige Tricks bei fast jedem Profikicker zum routiniertem Repertoire. Ein gutes Beispiel lieferte der Essener Stefan Lorenz im Zweitligaspiel gegen den desolaten 1. FC Köln. 5:0 gewann Rot-Weiß Essen am Ende, aber der Abwehrspieler sank trotzdem mehrfach ohne Berührung eines Gegenspielers zu Boden.
Wenn man tatsächlich richtig konsequent damit beginnen würde, Schwalbenkönige und Schauspieler mit Sperren zu bestrafen, hätten viele Vereine Probleme damit, eine konkurrenzfähige Elf auf die Beine zu stellen. Und dann würde sich Uli Hoeneß wahrscheinlich auch beschweren.


