Die Verwandlung des Gregor Samsa in Franz Kafkas berühmter Erzählung ist ein plötzlicher und unglaublicher Vorgang. Ähnliche Dinge spielen sich auch im Fußball ab. Vereine mausern sich vom Abstiegsaspiranten zum Titelanwärter, einzelne Spieler mutieren zwar nicht zum Insekt – werden aber irgendwie ein anderer Mensch.
Eins der berühmtesten Beispiele für eine solche Verwandlung spielte sich 1990 ab, als aus dem biederen Verteidiger Guido Buchwald ein Weltklassefußballer mit dem Spitznamen „Diego“ wurde. Der Stuttgarter packte damals eine Trickkiste aus, die er über Jahre hinweg in einem guten Versteck aufbewahrt haben muss.
Noch unglaublicher ist aber die Verwandlung von Miroslav Klose. 2002 sorgte er bei der WM mit fünf Turniertoren für ein paar Schlagzeilen. Allerdings erzielte er drei seiner fünf Tore gegen die nicht gerade als Defensiv-Spezialisten bekannten Saudi-Arabier und auch sonst galt Klose nur bedingt als fußballerischer Könner sondern vielmehr als Kopfballspezialist, der vielleicht eines Tages den großen Horst Hrubesch beerben könnte. Mehr aber auch nicht.
Zwei Jahre später hatte Miroslav Klose bei der EM im Spiel gegen Lettland die Riesenchance zur Führung, aber sein Kopfball landete nicht im Tor sondern fast an der Eckfahne. Nun galt die deutsche Sturm-Hoffnung als eines jener Talente, denen niemals der große Durchbruch gelingt.
Nach der EM wechselte Klose von Kaiserslautern nach Bremen. Er entwickelte einen Laufstil, der an ein Kind erinnert, das gerne Fäustchen macht. Vor allem aber ereichte er ein atemberaubendes Leistungsniveau. Heute zählt Klose zusammen mit Didier Drogba und Thierry Henry zu den komplettesten, konstantesten und deshalb besten Stürmern der Welt. Was Miroslav K. mit dem Ball anstellt, ist teilweise unglaublich. Genauso wie die Verwandlung, die er in den letzten Jahren durchlaufen hat.


