Thierry Henry und Alessandro Del Piero sind verdammt reiche Menschen. Sie verdienen in einem Jahr wahrscheinlich das, was alle Arena- und Premiere-Abonnenten zusammen im gleichen Zeitraum nach Hause bringen. Da fällt es leicht, generöse Gesten zu zeigen, bei denen Fans ihrer Clubs das Herz aufgeht. Als im Sommer spekuliert wurde, ob Henry Arsenal in Richtung Barcelona verlässt, entgegnete dieser, er könne die Arsenal-Fans nicht verlassen. Ähnlich Del Piero: Mit den großen Worten „Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht“ fertigte er im Sommer jegliche Wechselgerüchte ab. Am Wochenende wurde er von den Juve-Fans im ersten Spiel der alten Dame dafür enthusiastisch gefeiert. In der Bundesliga ist Vereins- oder zumindest Vertragstreue derzeit nicht sonderlich in Mode.
Khalid Boulahrouz verließ den Hamburger SV und seine Fans noch ehe letztere seinen Namen richtig schrieben konnten. Der Vorwurf einer vorgetäuschten Verletzung im Vorfeld des Champions League Spiels gegen CA Osasuna – einem der wichtigsten für Verein und Fans seit Jahrzehnten – steht nachhaltig im Raum. Doch damit nicht genug: Noch am Freitag hatte der Holländer zu Protokoll gegeben, alles zu tun, um im Rückspiel in Spanien wieder fit zu sein. Wie nun heraus kam, war sich Boularousz da schon mit Chelsea London einig.
Owen Hargreaves verlängerte erst im vergangenen Jahr seinen Vertrag bei den Bayern. Hier fühle er sich wohl und verfolge ganz große Ziele, entschied er seinerzeit. Eine mittelprächtige WM und ein Anruf von Alex Ferguson später, erinnert sich der ehemalige Jugendspieler der Bayern daran früher stets in ManU-Bettwäsche geschlafen zu haben.
Bei der Frankfurter Eintracht wird indes die Heimkehr des Frankfurter Bub Michael Thurk gefeiert. Es dauert sicher nicht mehr lange, bis die Begleitumstände seines Wechsels und das bizarre Nachtreten Thurks gegen seinen alten Club Mainz 05 völlig vergessen sind.
Passionierte Fans wissen, dass nur ganz wenige, handverlesene Spieler ein wirklicher Bestandteil ihres Vereins sind. Wechsel gehören zum Fußball, wie Spießer zu Schrebergärten. Und das ist auch gut so – so bleibt das Spiel Jahr für Jahr interessant. Trotzdem kommt es nicht von ungefähr, wenn Spieler wie Michael Thurk bereits am nächsten Sonntag durch die Hölle gehen müssen – dann, wenn die Eintracht am Mainzer Bruchweg spielt und jeder Ballkontakt des Frankfurter Bub von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet wird. Thierry Henry würde dann laut über ihn lachen, wenn er je von einem Spieler namens Thurk aus Frankfurt gehört hätte.

