Jede Bundesliga-Saison bringt eine Reihe von Neuerungen mit sich, die man erst einmal verkraften muss. Neue Spielernamen wollen gelernt sein, Prognosen müssen korrigiert werden und ganz nebenbei muss man sich auch noch an neue Anfangszeiten, Kommentatoren oder Trikots gewöhnen.
In diesem Jahr stehen alle Veränderungen unter ganz besonderer Beobachtung, denn wir bewegen wir uns in einer anderen Zeitrechnung – in der Bundesliga-Saison nach der WM. Es gilt, alles Positive aus diesem Turnier zu bestätigen oder aufzugreifen. Bereits der erste Spieltag hat nun bewiesen, dass dieses Unterfangen in Sachen Stimmung schwierig werden könnte. Nach einer Nullnummer zwischen Wolfsburg und Berlin bleiben Hupkonzerte und Auto-Korsos wohl auch in näherer Zukunft aus.
Hinüber gerettet in das aktuelle Fußball-Geschehen hat sich aber eine Mode, die einst spöttisch belächelt wurde und einst nur mit mehr oder minder verschrobenen Professoren in Verbindung gebracht wurde. Die Rede ist von der Taktik. Jürgen Klopp und Jürgen Klinsmann haben sie weit mehr als salonfähig gemacht. Wer heute nicht schnell Rauten oder doppelte Sechser beim Namen nennen kann, wird schnell so schief angesehen, als ob er nicht einmal die Abseitsregel verstehen kann.
Diesen Trend hat nun insbesondere das Deutsche Sportfernsehen aufgegriffen. Montags am späteren Abend, wenn sonst auf diesem Sender spärlich bekleidete Damen Zielgruppen bedienen, denen man weder im Dunkeln noch im Hellen begegnen möchte, lädt Frank Buschmann zur Spieltaganalyse ein. Der Moderator malt dann mit Experten wie Thomas Strunz und Ralf Rangnick so viele Kringel und Striche auf einen Bildschirm, dass man sich schnell an ein Kleinkind erinnert fühlt, das zum ersten Mal einen Stift in den Händen hält. Wenn man dann mehrmals erfährt, dass ein engeres Decken das eine oder andere Gegentor verhindern kann – ereilt die Taktik ein Schicksal, dass jeder Mode irgendwann schnell gegenüber steht: Man möchte, dass sie so bald wie möglich wieder vorüber geht.

