Über die empfindlich genauen Personenkontrollen gab es im Vorfeld der WM eine Menge zu lesen. Und erschrockene Fans fragten sich über viele Monate lange: Würde man am Stadioneingang wirklich ohne beglaubigte Kopie des letzten Grundschulzeugnisses auskommen? Und war eine lückenlose Aufstellung aller entliehenen DVD´s durch die örtliche Videothek tatsächlich notwendig?
So war ich sehr gespannt, wie die FIFA ihre angekündigten Personen- und Ticketkontrollen umsetzen wollte - bei 66.000 ungeduldigen und drängelnden Fans im Münchner FIFA-WM-Stadion zur Begegnung Tunesien - Saudi-Arabien.
Erstaunt mußte ich feststellen, daß wieder viel Lärm um nichts gemacht wurde: Es gab Bundesligapartien, bei denen ich mich wesentlich intensiveren und längeren Kontrollen unterziehen mußte, als zu diesem als sicherheitskritisch eingestuftem Spiel. Der Steward am Eingang nahm es mit seiner Leibesvisitation und der Kontrolle des Rucksackes auch nicht so genau. Normaler Bundesliga-Standard eben. Nur mein achtjähriger Sohn mußte trotz tropischer Temperaturen seine PET-Flasche abgeben. Ein Wunder, daß er trotz offensichtlichem Schmuggel von Schlagwerkzeugen nicht längst in der Datei für Gewalttäter gelandet ist.
Die Zuschauer dieser Begegnung konnte man in drei Gruppen unterteilen: Viele deutsche Fans, die froh waren, wenigstens mit dieser Partie direkt am Großereignis WM teilnehmen zu können, da all ihre anderen Kartenwünsche nicht erfüllt wurden. Zahlreiche tunesische Gastarbeiter, die mittlerweile besser bayerisch als arabisch sprachen. Und eine kleine Gruppe saudischer Fans, die mit allerlei Spruchbändern glänzte und in einem Selbstversuch die Gerstenkaltschale des amerikanischen Hauptsponsors ausprobierte.
Das Spiel selber gab uns und den übrigen zahlreichen deutschen Fans einen Eindruck davon, daß es bei Länderspielen im arabischen Raum sehr emotional und lautstark zugeht: Einerseits die überbewerteten Tunesier, die das Spiel trotz ihrer Profis aus Frankreich nicht in den Griff
bekamen. Und zum anderen die am oberen Limit agierenden Saudis, die frech mitspielten und schon Szenenapplaus für mit der Brust gestoppte Bälle erhielten.
Allerdings schien das gesamte Spiel für viele deutsche Zuschauer nur sekundär zu sein. Aufgrund der unmittelbar bevorstehenden Begegnung der deutschen Elf gegen Polen feierten die Fans mit Sprechchören immer wieder Klinsis Truppe und achteten nicht auf das Spielgeschehen zwischen zwei Mannschaften, die eher eine durchwachsene Leistung zeigten.
Nach Spielende fühlten wir uns doch wieder in den arabischen Sprachraum zurückversetzt: Vor dem Stadion warteten zahlreiche arabische Kamerateams, um Fans beider Lager in einem hektischen, lautstarken Tonfall zu interviewen. Musik aus 1001 Nacht wurde gespielt. Und dunkle Gestalten verteilten verstohlen geheimnisvolle arabische Schriften in Form eines Büchleins. Vermutlich wäre es besser gewesen, die FIFA hätte sich auch um die Personalien dieser Zeitgenossen bemüht, als um die Daten unzähliger harmloser Fußballfans.

