Früher brachte man das, was wir bisher zumeist bei der WM zu sehen bekommen haben, mit Schlafwagen oder Angsthasen in Verbindung. Heute hat die Zeit der Sprache ein Schnippchen geschlagen. Es werden Feste für Taktik-Fans gefeiert und als könnte man damit jeden Rückpass und jedes Verschleppen des Tempos rechtfertigen, wird scharfsinnig analysiert: Fußball ist ein Fehlerspiel.
Wann das stimmt, werden die größten Fehler von den Trainern begangen, weil sie ihre Teams so einstellen, dass keinerlei Platz für kreative und überraschende Momente übrig bleibt. Manchmal scheint es fast so, als ob unten auf dem Rasen der Geist von Otto Rehhagel sein Unwesen treibt. Wer hätte gedacht, dass man den EM-Fußball Griechenlands mühelos in den Aktionen von Brasilianern und Engländern wieder erkennt? Carlos Alberto Parreira und Sven Göran Eriksson sind zum Glück bestraft worden für die Angst, die sie als Ratgeber verpflichtet haben. Doch den tragischsten Fehler hat wohl aber einer begangen, der es hätte besser wissen können. Jose Luis Pekerman hat mit seinen defensiv orientieren Hereinnahmen im Spiel gegen Deutschland in nur wenigen Sekunden den WM-Titel gegen die Illusion der Sicherheit eingetauscht.
Der Gewinner über allen heißt Jürgen Klinsmann. Keine Mannschaft hat so oft so aktiv gespielt wie die deutsche, sie hat sich am weitesten von dem Fußball entfernt, den sie selber jahrelang gefördert hat. Der Mut ist belohnt worden – auch wenn man gegen die beste Turnierleistung Italiens den Kürzeren gezogen hat. Denn die beste Währung wird nicht in Pokalen oder Prämien ausgezahlt. Sondern in der Zuneigung und Unterstützung echter Fans.


