Friseure sind meistens schwul. Mein alter Figaro war es nicht, er war Fußballer, ein ganz passabler sogar. Er kickte in der Verbandsliga. Ich ging gerne zu ihm, denn wir sprachen meist über den Rasensport, oft auch über die Nationalelf. Manuel meinte, er schaue sich Länderspiele nie mit seinem Vater, irgendwelchen Kumpels oder Mannschaftskameraden an. Er sitze am liebsten ganz alleine vor dem Fernsehgerät. Ich habe mir damals verwundert die Ohren gerieben und den Coiffeur als sozialamputierten Einzelgänger abgestempelt.
Inzwischen kann ich Manuel verstehen. Immer öfter möchte ich auch gerne mutterseelenallein vor dem Bildschirm sitzen und nichts mitkriegen, von dem, was da draußen im durchkommerzialisierten Public-Viewing-Irgendwo passiert. Denn je näher das Blatter’sche Wettkicken rückt, desto auffälliger bringen sich bornierte Modefans in Stellung, denen nichts zu peinlich ist. Hochstaplerisch plappern sie ihr in der Kaffeeküche aufgeschnapptes Bildzeitungs-Wissen heraus und meinen, aus dem Stehgreif mit echten Worldcup-Romantikern fachsimpeln zu können. Dummdreist und vorlaut sind vor allem die Frauen, und zwar richtig hübsche Weiber. Aber was nützt ein niedliches Näschen und ein süßer Arsch, wenn die spindeldürren Püppchen kaum reflektieren können.
Gestern traf ich auf einer Party so ein zart flüsterndes Blondie. Sie hieß Valeska, war Anfang zwanzig, natürlich Arzthelferin, und plante ihre WM. Wo soll man die Deutschlandspiele schauen, welche Trikots kaufen, welche Spieler sind gerade hip? Es war putzig und gleichzeitig erschreckend, zu beobachten, wie die Kleine das bevorstehende Turnier für sich vereinnahmt. Nein, Elfenbeinküste gegen Serbien, das könne sie sich nicht antun, obwohl man ihr für dieses Match schon drei Mal Karten angeboten hat. O-Ton: „Afrikanische Mannschaften gehen mir auf den Sack! Okay, sorry, Sack geht ja gar nicht. Also: auf den Keks!“
Vielleicht sollte man diese geistlosen Trittbrett-Tussies rechtzeitig vor dem Eröffnungsspiel in den Factory-Outlets von Zara, Mango und GAP wegsperren. Ich habe ja generell nichts gegen ein paar sexy Babes als Deko beim Fußballgucken. Aber ein Häppchen devoter und respektvoller dürfen die Mädels schon sein. Ich gehe ja auch nicht zu Tim Mälzer und erkläre ihm wie man ein Madeira-Lamm auf Roquefort-Quark-Sauce zubereitet.
Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Frauen nur wenige Minuten Länderspielerfahrung haben, so wie David Odonkor. Sie sind einfach zu grün. Meine Studienfreundin Eva ist da schon routinierter. Eva fiebert seit der WM 1994 in den USA mit wie eine Wilde, liebt Klinsi weil sie Urschwäbin ist, organisiert Tippwettbewerbe und bastelt hübsche Foto-WM-Alben. Sie bereitet Barbecue-Abende vor, liest eifrig die Vorberichte im Internet und sie fragt mich, ob ich ihr Panini-Bilder von Figo, Gilardino und Cabanas schicken kann. Eva kann wirklich die dämlichsten Fragen stellen, sie kann tierisch rumzicken, denn Eva ist ebenfalls blond. Und sie hat überhaupt keine Ahnung von Fußball. Sie gibt das ganz offen zu. Wenn es spannend wird, hält sie einfach den Mund.


