Wenn man sich im Dunstkreis der Popkultur bewegt, kann man nicht umhin und muss dieses Länderportrait mit einem Song in Verbindung bringen, den es besser nie gegeben hätte. „Pogo in Togo“ von den United Balls (!) erschien im Jahr 1980 und gehörte zu den schlimmsten Auswüchsen der Neuen Deutschen Welle. Es wirft ein ganz neues Licht auf die sonst so sympathischen Australier und Neuseeländer, dass der Song dort ein Nummer 1-Hit wurde. Von den United Balls hat man nach diesem Chartserfolg zum Glück auf der ganzen Welt nichts mehr gehört.
Emmanuel Sheli Adebayor wird dieses Schicksal hoffentlich nicht ereilen. Adebayor hat tatsächlich etwas mit dem Land zu tun, das ein wenig eingeklemmt zwischen Ghana, Burkina Faso und Benin an der Küste Westafrikas liegt. Adebayor ist der unbestrittene Star der „Sperber“, also der togolesischen Fußballnationalmannschaft. Erst kürzlich hat ihn Arsenal London für 10 Millionen Euro aus dem Fürstentum Monaco losgeeist. Und es gibt nicht wenige Experten, die ihm zutrauen in Highbury in die Fußstapfen des Thierry Henry zu treten.
Die deutsche Medienlandschaft wird sich aber mehr mit einem anderen Togoer beschäftigen. Mohammed Coubageat Sherif Touré steht nämlich im nördlichen Niedersachsen beim Bezirksligisten Concordia Ihrhove unter Vertrag. Noch ist nicht ganz sicher, ob Touré von seinem Trainer für die WM nominiert wird, aber seine Chancen stehen gut und die „Homestory“ in seiner Wohnung steht mit Sicherheit jetzt schon im Sendeplan des ZDF. Der dafür prädestinierte Jochen Bouhs wird uns den jungen Mann menschlich näher bringen.
Kurz danach kommt dann wohl der berühmteste Togoer Deutschlands zu Wort. Bachirou Salou hat in Gladbach, Duisburg, Dortmund, Frankfurt, Rostock und Aachen Bundesligafußball gespielt und ist dem objektiven Betrachter in sympathischer Erinnerung geblieben. Manche Fans der genannten Vereine werden indes vielleicht noch der einen oder anderen Großchance nachtrauern, die der bullige Stürmer gerne mal vergeben hat.
Wolf Dieter Poschmann wird Salou fragen, ob er Felix Magath immer noch für den letzten europäischen Diktator hält und spricht so ein heikles Thema an. Denn so sehr man den Togoern Erfolgserlebnisse bei der WM gönnen mag: Wichtiger wäre wohl, dass in naher Zukunft das korrupte Regime des Landes von der Bildfläche verschwindet. Wie das funktioniert haben die United Balls vor circa 25 Jahren vorgemacht.

