Wenn der australische Unparteiischen Mark Shields am morgigen Abend ein Fußballspiel anpfeift, dann könnte das für einen sympathischen Zwillingsinselstaat in der Südkaribik zum größten Ereignis seit seiner Entdeckung durch Christopher Columbus am 31. Juli 1498 werden.
Landesnatur und Geschichte
Drei Hügel überragen die Skyline der Hauptinsel. Ein Anblick, der Columbus dazu verleitete, dem Eiland den eigenwillig spirituellen Namen Trinidad zu verleihen, der soviel bedeutet wie Dreifaltigkeit. Vielleicht aber auch Dreigestirn. Aber dazu später mehr. Der südkaribische Staat hieße aber nicht Trinidad & Tobago, gäbe es da nicht auch noch Tobago. Tobago - und darüber kann es keine zweite Meinung geben – heißt schlicht soviel wie Tabak.
Sport
Es gibt eine ganze Menge interessanter Dinge, die man über T&T wissen kann, wenn man will. Zum Beispiel, dass die Einwohner ihr Lieblingsteam TNT Warriors nennen. Das klingt vielleicht ein bisschen martialisch, ist aber nicht unlogisch, denn die besten Verteidiger des Landes verdienen ihr Geld bei Clubs namens Joe Public Tunapuna oder bei Defence Force Mucurapo.
Die Trinidados und Tobagos lieben den Fußball und sind stolz auf ihre Stars. Die größten spielen im Ausland und heißen Russell, Dwight, Stern und Shaka. Mit Vornamen wohlgemerkt. Stern, der Rekordnationalspieler und Toptorjäger der Warriors heißt dafür mit Nachnamen einfach John. An diesem Detail sind viele Journalisten aus aller Welt kläglich gescheitert. Ich aber nicht.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte können die TNT Warriors sich morgen und am Mittwoch für die WM 2006 in Deutschland qualifizieren. Und zwar gegen Bahrain, deren Cheftrainer kein geringerer als Wolfgang Sidka ist. Sofern das Unternehmen gelingen sollte, rechnet man auf der Inselgruppe mit kollektivem Ausnahmezustand. Dem Team um Leo Beenhakker ist der Sieg zuzutrauen. Die Warriors gelten diesmal sogar als leicht favorisiert.
Kultur und Menschen
Feiern können die TNTs offensichtlich. So gilt der gesamte Inselstaat als weltweit zweitwichtigste Karnevalshochburg, die sich hinter Rio de Janeiro nicht zu verstecken braucht. Auf TNT wurde nämlich der Calypso erfunden, der auf der Insel in zwei Ausprägungen getanzt wird, die sich Soca und Chutney nennen. Etymologen streiten sich momentan noch leidenschaftlich über die Frage, ob die Worte Soca und Soccer eine gemeinsame Wurzel haben. Wer sich fragt, woher der Begriff Chutney kommt, dem sei gesagt, dass 40 % der Einwohner indischer Abstammung sind. Wissenswert, oder? Überhaupt scheint auf den Inseln ein ganz schön multikulturelles Klima zu herrschen. Die Ortsnamen im Umkreis eines Stichprobengebietes von 15 km Durchmesser heißen Pointe-A-Pierre, Los Bajos, Pitch Lake und Fyzabad.
Wirtschaft
Weltmarktführer ist Trinidad & Tobago auch. Und zwar in der Metallindustrie. Genauer gesagt im Segment der Non-Blas-Musikinstrumente. Der Exportschlager „Steeldrum“ steht auf der internationalen Beliebtheitsskala nur knapp hinter seinem asiatischen Artverwandten, dem Wok.
Berühmte Einwohner
Neben den zahlreichen Fußballstars zählen ein paar Sprinter zur Top-10 Liste der berühmten Kinder des Landes. Deutlich hinter den Sportlern streiten sich Literatur Nobelpreisträger V.S. Naipaul und Pop-Weichspüler Haddaway um die Plätze.
Es gibt also viele gute Gründe, den TNT Warriors alle Daumen zu drücken. Einer davon ist, dass sich niemand in der Redaktion mit einem Länderportrait „Bahrain“ quälen muss, ein weiterer, dass der Bild-Schlagzeile: „Poldi, hau Sidka ein bah rain!“ a priori der Nährboden entzogen wäre.


