Ein trostloses 0:0 im Schneeregen kann ein wunderbares Erlebnis sein. In 90 Minuten offenbart der Fußball dann Dinge, die unser ganzes Leben in der Mehrheit aller Momente mit sich schleppt. Durchschnittlichkeit, vergebliches Bemühen und Leidenschaft.
Jeder Fehlpass im Stadion erinnert uns an die eigene Unzulänglichkeit, jedes Tackling steht für eine weitere Widrigkeit des Alltags. Über den Platz sind die heiseren Schreie von Spielern und Trainern deutlich zu hören, denn das Publikum erhebt aus lauter Niedergeschlagenheit keine Stimme mehr.
An einem solchen Fußballspiel ist in meinen Träumen und oft auch in der Realität der MSV Duisburg beteiligt. Vielleicht die letzte Mannschaft in Deutschland, die noch ein bisschen das Klischee vom ehrlichen Arbeiterfußball verkörpern kann. Schalke und Dortmund schwirren längst in anderen Sphären, aber wer einmal am Duisburger Bahnhof eine halbe Stunde auf einen Zug gewartet hat, weiß wo das Herz des Ruhrgebiets noch in seinem ursprünglichen Rhythmus schlägt. Der Schmutz ist hier schwarz und nicht grau. Es kräht kein Hahn danach, ob man sich mit der neuen Arena einen Abstieg leisten kann. Und an welchem Gleis man auch immer gerade steht, hier wird immer 0:0 gespielt. Aber man weiß, wo dran man ist.



