Manchmal könnte man meinen, der Effet habe seine beste Zeit hinter sich. Er gehört mittlerweile so selbstverständlich zu einem Fußballspiel wie zu einer anständigen Tischtennis-Partie. So teilt er das Schicksal vieler Selbstverständlichkeiten, und in Reportagen oder Kommentaren findet er kaum noch eine Erwähnung – aber eine Würdigung hat er natürlich trotzdem verdient.
Ohne den Effet hätte es die Bananenflanke nie gegeben, und das wohl immer noch unglaublichste Jahrhunderttor aller Jahrhunderttore, der Außenrist-Freistoß von Roberto Carlos im Freundschaftsspiel Brasilien gegen Frankreich, hätte ohne den Effet niemals das Licht der Welt erblicken können. Mehr Effet als in diesen Sekunden hat es im Fußball wohl nie gegeben.
Der Effet wird dem Ball vom Spieler verliehen, so wie ein Buch an einen Freund, von dem man nicht genau weiß, wann oder ob man es überhaupt wieder zurückbekommt. Der Effet ist eine Leihgabe, bei der man nicht um die Rückkehr sondern um die Wiederherstellbarkeit bangen muss. Wer es schafft einen Ball zweimal in derselben Weise „anzuschneiden“, muss ein kleiner Künstler sein. Und wer es nicht mal schafft, ein bisschen Effet an den Tag und in den Ball zu legen, hätte im Prinzip auch bei der ursprünglichsten aller Fußballschusstechniken – bei der Pike bleiben können.
Das alles scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Heute taucht der Effet am ehesten noch beim Freizeitfußball an der imaginären Eckfahne auf. Dann versucht Spieler X den Ball mit so viel Drall wie möglich direkt in das Tor hinein zu drehen. Oft vergeblich, denn wenn man nicht gerade Roberto Carlos heißt, kommt der Effekt des Effets meist ohne die nötige Überraschung aus.


