Es ist ein Kreuz, mit denen, die ständig gefeiert werden. Wenn man sie mag und ihnen das sagen möchte, fühlt man sich wie in einem unsympathischen Chor.
In diesem Jahr wurden die meisten Lobeshymnen auf einen Menschen und eine Mannschaft verfasst, die vermeintlichen Nutznießer waren der Papst und Werder Bremen. Doch während Beppo Ratzinger nur mit eingefrorenem Lächeln und zweifelhaftem Job punkten konnte, spielten die anderen tatsächlich wunderschönen Fußball. Das Wort „Defensive“ haben sie dabei in der Weser versenkt. Dumm nur, dass auch den Werderanern eine Art Heiligenschein verpasst worden ist. Und wenn es so weiter geht, steht nach dem „Wir sind Papst“-Modell nun der „Wir sind Werder“-Rausch bevor.
Aller Orten findet sich eine Festschrift nach der anderen auf den Fußball der Bremer. Thomas Schaafs Gesichtszüge werden nebenbei mit denen von Ernst Happel verglichen, und seine einfache Sicht der Fußballdinge wird als erfrischender Kontrapunkt zu all den Konzepten gesehen, die gestern noch die Zukunft verkörpert haben. Die mittelgescheitelten Musterschwiegersöhne Tim Borowski und Mioroslav Klose hat man indessen zu Ballack-Nachfolgern und WM-Hoffnungen erkoren, obwohl sie ihre guten Leistungen bisher exklusiv für den eigenen Verein reserviert haben. Aber auch das wird Werder hoch angerechnet, denn bei den Hanseaten geht es eben harmonischer zu als im Rest der Welt. Dort draußen gibt es Narben und Risse, und das sind genau die Dinge, an denen es den Bremern trotz des Spektakels auf dem Spielfeld manchmal fehlt.



