„Ich wusste von Anfang an, wie Witze funktionieren …“ – Uwe Krumbiegel...

„Ich wusste von Anfang an, wie Witze funktionieren …“ – Uwe Krumbiegel im Interview

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Gut gepflegte Timelines sind mittlerweile voll von ihnen – Cartoons sind  exquisite Häppchen, die man beim täglichen Scrollen durch Facebook oder Twitter so leicht und gerne konsumiert wie einen selbstgebackenen Cracker mit einem Tomaten-Frischkäse Dip drauf. Ralph Ruthe und Oli Hilbring sind die bekanntesten Namen, aber daneben gibt es  viele andere großartige Zeichner, die mit ihren kleinen Gags Riesenspaß machen. Einer von ihnen und der wahrscheinlich Beste, wenn es um pointierte Alltagsbetrachtungen geht, ist Uwe Krumbiegel. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

foo: Wann merkt man, dass man ein Talent für Komik hat? Und vor allem, wann hast du gemerkt, dass du ein Talent zum Zeichnen von Cartoons hast?

Uwe: Es soll ja Leute geben, die erst mit 30 Jahren ihr Faible fürs Cartoonzeichnen entdecken. Anders bei mir: Mich hat dieses Thema schon als Kind stark interessiert und ich war etwa 12, als ich die ersten Gags aufs Papier gekritzelt habe. Ich wusste von Anfang an, wie Witze funktionieren, konnte aber leider nie so gut zeichnen, wie ich es gern gekonnt hätte.

foo: Wann hast du deine ersten Cartoons veröffentlichen können und wie kam es dazu?

Uwe: Mein erster Cartoon ist in der Tageszeitung „Junge Welt“ abgedruckt worden, als ich 15 Jahre alt war. Kurz darauf habe ich den Zeichenstift für viele Jahre aus der Hand gelegt, um mich ins chaotische und völlig unproduktive Jugendleben zu stürzen. Ich habe dann erst 10 Jahre später als Student wieder angefangen zu zeichnen.

foo: Du bist ja heute Ingenieur. Würdest du lieber von deinen Cartoons leben? Und wie erlebst du den Gegensatz zwischen deinem doch wahrscheinlich eher nüchternem Job und
deiner künstlerischen Tätigkeit?

Uwe: Früher fand ich den Gedanken durchaus reizvoll, hauptberuflich als Cartoonist zu arbeiten. Inzwischen sehe ich das etwas nüchterner. Der Job als Ingenieur ist sehr rational, aber auch abwechslungsreich und voller wichtiger sozialer Kontakte. Als Cartoonist schmort man im eigenen Saft und ist seinen Gemütsschwankungen ausgesetzt – einschließlich Selbstzweifel und kreativer Krisen. So gesehen bin ich irgendwie froh, meine Brötchen in erster Linie mit „richtiger Arbeit“ zu verdienen. Ich weiß gar nicht, ob ich einen Ganztagsjob zuhause als Zeichner psychisch aushalten würde. Im Übrigen steht man mit einem „normalen“ Job jenseits des Kunstbetriebs zwangsläufig mit beiden Beinen im Leben, was durchaus hilfreich sein kann.

Foto_Krumbiegel1Uwe Krumbiegel

foo: Wie entstehen deine Einfälle für Cartoons? Sehr spontan oder schleppst du manche Themen länger mit dir herum und hast dann erst später die zündende Idee?

Uwe: Das ist sehr unterschiedlich. Einige Ideen entstehen tatsächlich durch spontane Eingebung, allerdings muss man konzentriert und aufnahmefähig sein. Bei anderen Ideen geht mühevolles Grübeln und Nachdenken voraus. Und dann gibt es noch die halbgaren Einfälle, die erst zwei Jahre im Skizzenbuch reifen müssen, bis man eine clevere Lösung für die Umsetzung findet.

foo: Wann hast du Facebook für dich entdeckt? Und in welcher Weise haben digitale und soziale Medien dein Arbeiten verändert?

Uwe: Bei Facebook bin ich seit Anfang 2014. Freunde hatten mich ermutigt und so habe ich den Schritt dann endlich gewagt. Für mich ist diese Sache seitdem sehr spannend, denn ich war es bisher nicht gewohnt, direkte Feedbacks zu den Cartoons zu bekommen. Ich denke, dass die Vorteile überwiegen. Man kann seinen Bekanntheitsgrad steigern und hat ein besseres Gefühl dafür, wie das Publikum tickt. Ob das meine Arbeitsweise beeinflusst, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich zeichne weiterhin das, was ich gern möchte. Da ich deutlich mehr Ideen habe, als ich zeichnerisch schaffe, siebe ich aber die weniger erfolgsträchtigen Cartoons aus. Hier können die Erkenntnisse aus dem Facebook-Feedback tatsächlich nützlich sein.

foo: Viele deiner Kollegen geben mit ihren Zeichnungen auch immer mal wieder ein politisches Statement ab? Bei dir sind es meistens eher sehr pointierte Alltagsbetrachtungen, woran
liegt das?

Uwe: Ich mache ganz einfach das, was ich am besten kann. Da ich nur nebenberuflich zeichne, habe ich auch sehr wenig Zeit und versuche stets Themen aufzugreifen, die kein kurzfristiges Verfallsdatum haben. Im Übrigen sind gute politische Karikaturen ein schwieriges Metier. Die Sachverhalte sind meistens weitaus komplexer, als es in der öffentlichen Wahrnehmung erscheint. Viele Zeichner greifen dabei gern auf abgedroschene Klischees und schablonenhafte Gut-Böse-Darstellungen zurück. Das ist offen gestanden überhaupt nicht mein Ding.

Übrigens habe ich in den vergangenen Jahren tatsächlich in einigen wenigen Fällen mal einen Cartoon zu einem tagesaktuellen Thema gebracht. Nichts davon ist veröffentlicht worden und es war letztendlich schade um den Aufwand. Hatte ich schon erwähnt, dass ich der vermutlich langsamste Zeichner der Welt bin?

foo: footage ist ja auch ein Magazin für Fußball. Kannst du damit was anfangen?

Uwe: Als Teenager habe ich die Spiele der damaligen DDR-Oberliga sehr intensiv verfolgt, nach der Wende hatte dann mein Interesse am Fußball etwas abgenommen. Aber ich sehe mir bei Welt- und Europameisterschaften immer noch gern Fußballspiele an. Übrigens wäre die Bundesliga für mich deutlich spannender, wenn eine Mannschaft aus Sachsen oder wenigstens Mitteldeutschland mitspielen würde.

foo: Und wir sind ein Magazin für Midlife-Crisis, hattest du schon eine oder gibt es so etwas gar nicht?

Uwe: Die Midlife-Crisis gibt es tatsächlich, leider. Alles schon erlebt. Wäre jetzt eigentlich auch mal ein gutes Thema für einen Cartoon.

foo: Vielen Dank für das Gespräch.

>>> Uwe Krumbiegels Homepage

>>> Uwe Krumbiegel bei Facebook

 

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Arne Jens war eigentlich schon immer Autor. Bereits mit sechs Jahren verfasste er erste Bundesliga-Tabellen, die er sich alle mühsam zusammen gewürfelt hatte. Texte im footage-Magazin pflastern seit 2004 seinen Weg. Die Krönung: Eines seiner Machwerke erschien auch im Geißbock-Echo. Und ein paar Kurzgeschichten schafften es immerhin in die Bücher von Sascha Theisen.

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